Was tun bei Gelenkschmerzen? Teil 3: Gicht

Gicht entsteht, wenn sich zu viel Harnsäure im Blut ansammelt. Am besten hilft da, Fleisch und Alkoholkonsum zu reduzieren und abzunehmen. Mit Kräutern sollte man zusätzlich Leber und Niere beim Entgiften und Ausscheiden unterstützen.

Rückseite

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung. Ursache ist ein über längere Zeit erhöhter Harnsäurespiegel im Blut. Harnsäure ist ein Endprodukt des Purinstoffwechsels. Sie entsteht einerseits, wenn Nukleinsäuren aus der DNA unserer abgestorbenen Zellen abgebaut werden, und wird andererseits durch den Abbau von Purinen aus der Nahrung freigesetzt.

Im gesunden Körper wird Harnsäure zu zwei Dritteln über die Niere und zu einem Drittel über den Stuhl ausgeschieden. Steigt die Harnsäurekonzentration im Blut an, merkt man davon über lange Zeit nichts, bis sie als winzige Kristalle ausfällt, die sich vorwiegend in den Gelenken ablagern, aber auch in den Organen (Achtung: Gichtniere!). Wenn die Fresszellen des Immunsystems versuchen, die Kristalle zu beseitigen, werden ihre Membranen aufgeschlitzt. Die frei werdenden Enzyme rufen im Gewebe heftige Entzündungen hervor.

Typischerweise tritt Gicht nachts auf, nachdem man besonders üppig gegessen und getrunken hat und zwar im Grundgelenk des großen Zehs. Gichtanfälle können aber auch durch Überanstrengung, Kälte und Fastenkuren ausgelöst werden. Das betroffene Gelenk ist stark geschwollen, gerötet und extrem schmerzempfindlich, selbst bei leichter Berührung oder Erschütterung. Begleitend können Fieber und Schüttelfrost auftreten. Zwischen den Schmerzanfällen kann es lange schmerzfreie Intervalle geben.

Risikofaktoren für Gicht:

  • hoher Harnsäurespiegel im Blut (größer als 6,5 mg/dl oder 387 µmol/l)
  • Übergewicht
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Diabetes mellitus
  • erhöhter Blutdruck
  • Zellzerfall bei Chemotherapie

Was tun bei akutem Gichtanfall?

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  • Die Herbstzeitlose (Colchicum Autumnale): Sie ist seit 2500 Jahren eine der wichtigsten Pflanzen zur Behandlung eines akuten Gichtanfalls. Der Wirkstoff Colchicin ist hochgiftig und hat eine geringe therapeutische Breite (d.h. zu viel davon ist giftig und zu wenig wirkt nicht). Nebenwirkungen von Colchicin sind Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, Knochenmarksdepression und Haarausfall. Deshalb ist sind Präparate wie Colchicum Dispert verschreibungspflichtig. Colchicin wirkt rasch. Wenn sich der Zustand nicht bessert, sind die Schmerzen vermutlich durch eine Arthritis verursacht.
  • Gelenk ruhig stellen und kühlende Umschläge mit Retterspitz machen
  • Täglich mindestens 2 bis 3 Liter trinken, um die Ausscheidung von Harnsäure zu fördern. Empfehlenswert ist Brennesseltee. Er schmeckt noch besser, wenn man ihn zu 10 Prozent mit Zitronenmelisse mischt.
  • Alkohol weglassen
  • Naturheilkundlich kann man die Behandlung mit Blutegeln unterstützen: das Hirudin aus dem Speichel der Blutegel wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend

Ernährung umstellen

Um weiteren Gichtanfällen vorzubeugen, muss die Ernährung dauerhaft umgestellt werden. Vermeiden sollte man lebenslang alle Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an Purinen:

  • Fleisch und Wurst nur in kleinen Portionen essen
  • Innereien, Wild und Fleischextrakte ganz vermeiden
  • Sardinen, Thunfisch, Makrele und Schalentiere vermeiden
  • weitgehend auf Spargel und Hülsenfrüchte verzichten
  • Kaffee vermeiden
  • Alkohol vermeiden, besonders Bier

Den Eiweißbedarf kann man über Milchprodukte und Eier decken (Eier nur, wenn der Cholesterinspiegel nicht erhöht ist)

Stoffwechsel anregen:

Im Frühjahr empfiehlt sich eine dreiwöchige Kur mit Brennessel– oder Löwenzahn-Presssaft, um die Ausscheidung von Harnsäure anzuregen und die Leber beim Entgiften zu unterstützen. Da der Löwenzahn-Saft recht bitter schmeckt, kann man ihn im Verhältnis 1:5 verdünnen. Man nimmt 2x täglich ein EL mit 5 EL Wasser, Milch oder Buttermilch ein. Das ganze Jahr über kann man Brennesseltee trinken.

Grünen Hafertee setzte schon Sebastian Kneipp zur Regulation des Säure-Base-Gleichgewichts im Blut ein. Volksheilkundlich wird er bei Gicht und Rheuma gegeben, zum Durchspülen von Blase und Niere, aber auch bei Magen-Darmbeschwerden, zur Senkung des Blutzuckers und des Cholesterinspiegels. Der Tee wirkt sehr stark entwässernd und eignet sich deshalb für eine Kur, etwa begleitend zur Gewichtsreduktion. Mehr zu grünem Hafertee.

Der Giersch (Aegopodium podagraria), auch als „Gichtkraut“ bekannt, wird in der Volksheilkunde ebenfalls bei Gicht angewandt. Im Sommer kann man den frischen Giersch als Pflanzenpresssaft, Smoothie oder Pesto zubereiten. Er schmeckt auch gut zusammen mit Brennessel.

Bei Übergewicht: Gewicht reduzieren (Achtung: keine Fastenkuren, diese können Gichtanfälle provozieren).
Extreme körperliche Anstrengung und Kälte vermeiden, da diese ebenfalls Gichtanfälle auslösen können.

Medikamentöse Dauertherapie:

Wenn Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion nicht ausreichen, um den Harnsäurespiegel zu senken, werden Medikamente verordnet, welche die Produktion von Harnsäure hemmen. Zu deren häufigsten Nebenwirkungen gehören Magen-Darm-Beschwerden. Diese Therapie ist aber notwendig, um weitere Schädigungen der Gelenke (z.B. verkrümmte Finger) oder Organe (insbesondere der Niere) zu verhindern. Wenn sich Harnsäurekristalle in der Niere ablagern, rufen sie dort eine chronische Entzündung hervor, die mit einer funktionslosen Schrumpfniere endet. Auch das Herz kann geschädigt werden. Dank medikamentöser Therapie hat die Gicht heute eine viel bessere Prognose als früher.

Referenzen:

Bierbach, Elvira (Hrsg.): Naturheilpraxis heute, Urban & Fischer Verlag, München, 2009 ( 4. Auflage)

Schilcher, Heinz (Hrsg.): Leitfaden Phytotherapie

Mayer, Johannes Gottfried: Skript Gicht der Forschergruppe Klostermedizin