Schlafstörungen in der TCM

Wie die TCM Schlafstörungen erklärt und wie man sie mit westlichen Kräutern behandelt.

Rückseite

Nachts ruht der Geist im Herzen und die Wanderseele in der Leber, sagen die Chinesen. Ein gestörter Schlaf hat deswegen körperliche und emotionale Aspekte. 

Wie der Kaiser im alten China regiert der Shen (Herz-Geist) über den ganzen Körper. Die Organe sind seine Minister. Sie führen die Befehle des Kaisers aus, beschützen ihn aber auch vor den vielen Sorgen des Alltags und lassen nur die wichtigen Informationen zu ihm durch. Die Funktionen von Shen sind denen des Gehirns in der westlichen Medizin ähnlich: Denken, Bewusstsein und Schlaf, Gedächtnis, psychische Aktivität und Emotionen.

In der Vorstellung der Chinesen kann der Kaiser nur gut regieren, wenn er sich auf das Wesentliche konzentriert und dazu muss das Herz leer sein. Man kann diesen Zustand mit der glatten Oberfläche eines schönen, klaren Gebirgssees vergleichen. Er spiegelt den Himmel und man kann tief ins Wasser hinein schauen. Sobald der Wind die Oberfläche kräuselt, ist es vorbei. So verwirren auch Sorgen und starke Emotionen das Herz. Sie gehören zum Leben dazu, aber manchmal nehmen sie überhand. Dann ist der Schlaf sehr unruhig. Es treten Hitzegefühle auf, Unrast und viele wilde Träume.

Träume und Visionen

Träume gehören zur Wanderseele Hun. In der Vorstellung der alten Chinesen verlässt der Hun den Körper nach dem Tod. Zu Lebzeiten befähigt er uns, unserem Leben eine Richtung zu geben. Giovanni Macioca beschreibt die Funktionen von Hun in seinem Lehrbuch „Grundlagen der chinesischen Medizin“ so:

„Sie (die Wanderseele) ist auch die Quelle von Lebensträumen, Visionen, Zielen, Projekten, Inspiration, Kreativität und Ideen.“

Für einen guten Schlaf müssen Shen und Hun in der Nacht zur Ruhe kommen. Die Chinesische Medizin sagt, sie schlafen im Herzen und in der Leber, genau gesagt im Herz- und Leberblut. Starke Emotionen und Stress (der mit der Leber assoziiert ist), stören die Ruhe. Aber auch ein Blutmangel kann die Ursache für Ein- und Durchschlafstörungen sein (wobei sich dieser nicht unbedingt in Laborbefunden wie niedrigem Hämatokrit oder Eisenwert niederschlagen muss). Shen und Hun sind bei Blutmangel nicht genügend geankert und schweifen deshalb in der Nacht ruhelos umher.

Symptome einer Schlafstörung durch Blutmangel sind:

  • Einschlafstörungen
  • häufiges Aufwachen in der Nacht
  • Schlaflosigkeit mit Angstzuständen
  • traumgestörter Schlaf.

Wenn der Blutmangel längere Zeit unbehandelt bleibt, kann sich daraus ein Yin-Mangel entwickeln. Dann kommen Symptome wie Nachtschweiß, Hitzegefühle und Herzklopfen hinzu.

Welche Kräuter helfen?

Bevor eine TCM-Therapeutin Kräuter verschreibt, wird sie durch eine ausführliche Befragung und Untersuchung des Patienten/der Patientin die Ursache für die Schlafstörung ermitteln. Eine Kräuterrezeptur enthält dann oft nicht nur Schlaf fördernde, sondern auch die Leber beruhigende und blutbildende Kräuter.
Die wichtigsten westlichen Kräuter für einen guten Schlaf sind:

  • Baldrianwurzel (Radix Valeriana)
  • Hopfen (Strobulus Lupuli)
  • Melissenblätter (Foliae Melissae)
  • Johanniskraut (Herba Hyperici)
  • Passionsblumenkraut (Herba Passiflorae)
  • Eisenkraut (Herba Verbenae)

Beruhigungs- und Schlaftee der Forschergruppe Klostermedizin

35 g Baldrianwurzel
30 g Melissenblätter
25 g Passionsblumenkraut
10 g Lavendelblüten
1 -2 TL/Tasse 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. 2 Tassen am Abend trinken.

Wichtig für einen guten Schlaf ist auch ein regelmäßiges Leben. Das 1500 Jahre alte Wissen der abendländischen Klostermedizin wird heute wiederentdeckt. Mehr dazu in dem Beitrag: Besser schlafen mit Klostermedizin.

Schlaf gut und träume was Schönes!