Sanfte Mittel gegen Erkältung

Wer bei einer beginnenden Erkältung mit Heilpflanzen gegensteurt, muss oft gar nicht erst krank werden. Hausmittel wie Fußbäder mit Senfmehl oder Tee aus Holunder- und Lindenblüten schonen den Geldbeutel. Für Eilige gibt es auch Fertigpräparate aus der Apotheke.

Rückseite

Du hast gefroren und wachst am nächsten Tag mit Halsschmerzen auf? Oder Du musst dauernd niesen? Hast einen steifen Hals und Gliederschmerzen? Wenn Du jetzt sofort gegensteuerst, kannst Du eine ausgewachsene Erkältung verhindern. Hier ein paar Tipps.

Beim ersten Anzeichen einer Erkältung einen Tee aus 1 TL Lindenblüten und 1 TL Holunderblüten zubereiten, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und möglichst heiß trinken. Danach ins Bett legen und schwitzen (Kleidung zum Wechseln bereit legen).

Ein Fußbad mit Senfmehl ist besonders hilfreich, wenn Du im Winter dauernd kalte Füße hast und frierst. Du kannst auch mal eine Woche lang Fußbäder in Senfmehl machen, um den Körper gründlich zu durchwärmen und den Kreislauf anzuregen.

So wird’s gemacht: Das Senfmehl am besten aus Senfsamen frisch stoßen, weil Senfmehl nur einige Monate haltbar ist. 2 EL Senfmehl mit dem Saft einer Zitrone auf eine Schlüssel mit 37 Grad warmem Wasser geben. Füße eintauchen. Die Senf-Öle fördern die Durchblutung der Füße und röten dabei die Haut. Deshalb die Füße nicht länger als 15 Minuten baden und anschließend abspülen. Wenn Du empfindliche Haut hast, creme sie nachher mit Calendula-Salbe ein. Danach dicke Socken anziehen und ½ Stunde warm zugedeckt ausruhen.

Bei beginnender Erkältung kannst Du das Schwitzen zusätzlich fördern, wenn Du während des Fußbads heißes Wasser nachschüttest. Dann verwendest Du am besten einen Knie hohen Eimer, so dass das Wasser bis zu den Knien ansteigen kann. (Nicht geeignet für Menschen mit Venenleiden.) Das Fußbad mit ansteigender Temperatur ist übrigens auch ohne Senfmehl schweißtreibend.

Meerrettich löst Schleim, wenn der Schnupfen schon da ist. Iß täglich etwa einen Teelöffel geriebenen Meerrettich, evtl. mit etwas Honig verrührt. Eine Variante, die in der Klostermedizin beliebt war, ist der Medizinalwein. Setze 30g geriebenen Meerrettich (etwa eine Daumenlänge) mit einer Flasche Weißwein an, lasse sie unter gelegentlichem Schütteln 2 Tage an einem sonnigen Ort stehen und seihe ab. Davon abends 1 Glas trinken.

Ingwertee ist ebenfalls Schleim lösend und wärmend. Mit Zimtstangen, Süßholzwurzel, Kardamon und Nelken aufgekocht verstärkt sich die wärmende und Schleim lösende Wirkung. Es ist gut, diesen Tee zu süßen, damit die erzeugte Wärme nicht gleich durch Schwitzen wieder abgegeben wird. (In diesem Stadium der Erkältung friert man meistens nicht mehr.)

Vitamin C bei beginnender Erkältung

Zu Beginn einer Infektion sinkt die Vitamin-C-Konzentration in den Immunzellen innerhalb von Stunden auf die Hälfte. (1) Deshalb ist es gut, den Körper mit zusätzlichen Vitamin-C-Gaben zu unterstützen. Die kostengünstigste Lösung ist Vitamin-C-Pulver (Ascorbinsäure), das man auch im Drogeriemarkt kaufen kann. Täglich 1 Messerspitze voll mit etwas Wasser einnehmen. Übrigens empfiehlt sich auch die vorbeugende Einnahme von Vitamin-C, wenn Du dazu neigst, nach einer Stress-Phase krank zu werden. In sechs Studien mit insgesamt 642 Teilnehmern konnte gezeigt werden, dass das Risiko für einen grippalen Infekt nach Stress durch Vitamin C-Einnahme um 50 Prozent reduziert wird. Als Stressfaktoren wurden körperliche und emotionale Belastungen sowie Kälte-Stress untersucht. (2,3)

Natürliches Antibiotikum aus Meerrettich und Kapuzinerkresse

Das Fertigpräparat Angocin kombiniert die Senföle von Meerrettich und Kapuzinerkresse. Weil es sich um Stoffgemische handelt, haben sie ein breites Wirkungsspektrum und werden deshalb auch gern als „pflanzliches Antibiotikum“ bezeichnet:

  • sie hemmen das Wachstum von Bakterien und töten einige sogar ab
  • sie hemmen das Wachstum von Viren
  • sie wirken gegen Pilze

Die Wirkstoffe von Angocin sind besonders hilfreich zur Behandlung von Infektionen der Atemwege und bei Harnwegsinfektionen. Sie haben gegenüber Antibiotika den Vorteil, dass sich keine Resistenzen bilden. Bitte achte aber auch bei Angocin darauf, das Mittel über den empfohlenen Zeitraum (Packungsanweisung) zu nehmen.

Echinacea-Präparate stärken die Abwehrkraft

Die Wurzeln des purpuroten und des schmalblättrigen Sonnenhuts (Echinacea purpurea und Echinacea angustifolia) eignen sich zur Stärkung des Immunsystems im Herbst. Vorbeugend sollte man die Präparate nur 6 Tage nehmen und dann zwei bis drei Wochen Pause machen bis zur nächsten Einnahme. Nimmt man sie frühzeitig bei den ersten Anzeichen einer Erkältung, kann man damit das Immunsystem so weit stärken, dass es den Infekt allein, ohne weitere Medikamente abwehrt. In klinischen Studien hat sich aber auch die begleitende Gabe zur Antibiotika-Therapie bewährt. (4)

Taiga-Wurzel bei Erschöpfung

Die Taiga-Wurzel, auch sibirischer Ginseng genannt, ist eine weitere Heilpflanze, die das Immunsystem stärkt. Auch hierzu gibt es klinische Studien. (5) Ich verwende sie gern bei Patienten, die im Winter viel frieren, erschöpft und antriebslos sind. Die Wurzel wärmt, steigert die Leistungsfähigkeit und hilft bei Winterdepression. Sie ist auch ideal, um nach einem überstandenen Infekt wieder auf die Beine zu kommen. Am besten eignet sich die Einnahme als Tinktur (z.B. Eleu curarina).

Die Wirkung der Heilpflanzen kannst Du unterstützen durch

  • genügend Schlaf
  • Bewegung an frischer Luft
  • gesunde, vitaminreiche Ernährung

Wenn Du mehr wissen möchtest, gönne Dir einen Samstag Nachmittag mit Kräuterrezepturen, Qi Gong Übungen und Selbstmassage für eine starke Lunge und zur Vorbeugung von Allergien im Frühjahr bei meinem Workshop “Gesund durch den Herbst” am 28. Oktober von 14 bis 17 Uhr im BIKUZ Frankfurt Hoechst.

Referenzen

1. Janicki-Deverts, D. Et al. Basal salivary cortisol secretion ans susceptibility to upper respiration infection, in: Brain Behav Immun, 2016. 53, S. 255-261.
2. Douglas, R., et al.: Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev, 2007(3), S. CD000980.
3. Hemila, H. , Chalker, E.: Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2013.1. S. CD000980
4. Schilcher, Heinz (Hg): Leitfaden Phytotherapie, S. 1006.
5. Schilcher, Heinz (Hg): Leitfaden Phytotherapie, S. 1013.