Mit Kräutern das Immunsystem stärken

Im Herbst reifen Wildfrüchte und Samen, die gut schmecken und gleichzeitig die Abwehrkräfte stärken: Hagebutten, Holunderbeeren, Brennesselsamen und einige mehr.

Rückseite

Wenn die Tage kürzer werden, es draußen nass und kalt wird, fängt die Erkältungszeit an. Jetzt heißt es, die Lunge und das Immunsystem zu stärken. Hier ein paar Tips für die Ernährung und Beeren und Samen, die dabei helfen.

Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Auf den Wochenmärkten gibt es jetzt ein buntes Angebot an Trauben, Pflaumen, Kürbissen, Nüssen, Pilzen, Lauch, Kohlsorten und Wurzelgemüse. Wenn wir uns jetzt mit einem abwechslungsreichen Speiseplan aus saisonalem Obst und Gemüse stärken (z.B. Kürbissuppe, kräftige Eintöpfe, Pilzgerichte, Zwetschgenkuchen), schaffen wir die beste Voraussetzung, um gut durch den Winter zu kommen. Die Lehre der fünf Wandlungsphasen erklärt das so: Der Herbst ist die Zeit der Lunge. Man kann die Lunge entweder direkt stärken (durch frische Luft, Bewegung, Qi Gong oder Atem-Übungen) oder man stärkt die „Mutter“, die Wandlungsphase Erde. Die Erde gehört zu den Organen Magen und Milz/Bauchspeicheldrüse. Und diese stärkt man durch gutes, nährendes Essen.

Wildpflanzen: meist gesünder als Kulturpflanzen

In einem Ratgeber über essbare Wildpflanzen las ich kürzlich, dass die Nahrung der Jäger und Sammler zu 80 Prozent aus Kräutern, Gräsersamen, Wurzeln, Pilzen und Wildfrüchten bestand. Da die Entwicklungsstufe der Jäger und Sammler 99 Prozent der Menschheitsgeschichte ausmacht, spricht viel dafür, dass wir genetisch am besten auf diese Art der Ernährung eingestellt sind. Sie war außerdem abwechslungsreicher und gesünder als die späteren Kulturpflanzen, die wir heute hauptsächlich essen. Zum Beispiel enthält die Brennessel 25 mal mehr Vitamin C, 7 mal mehr Eisen und 6 mal mehr Vitamin A als Kopfsalat. Dass die Jäger und Sammler nicht am Hungertuch nagen mussten, zeigen Knochenfunde, nach denen sie größer waren als die Bauern der Jungsteinzeit. Einige Wildpflanzen kann man sich auch gut besorgen, wenn man in der Stadt lebt.

Hagebutten: reich an Vitamin C

Hagebutten sind ideal, wenn man im Herbst für Erkältungen und Gelenkschmerzen anfällig ist. Die Früchte der wilden Rose kennen die meisten als Tee mit einem säuerlichen, erfrischen Geschmack. Hagebutten enthalten 20 mal mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte, außerdem Zink und weitere Mineralstoffe. Ich gebe im Winterhalbjahr täglich einen Teelöffel gemahlene Hagebutten (Schale und Kern) in meinen Frühstücksbrei, um Erkältungen vorzubeugen.

Die schmerzlindernde Wirkung bei Gelenkschmerzen ist eine Erfahrung der Volksheilkunde. Inzwischen hat die westliche Medizin entzündungshemmende und antioxidative Wirkstoffe in Hagebuttenschalen nachgewiesen und empfiehlt sie als Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrosebeschwerden.

In der TCM werden Hagebuttenschalen auch zum Blutaufbau verwendet. Ich empfehle sie Frauen, die bei der Menstruation viel Blut verlieren. Sie sollten nach dem Ende der Blutung bis zum Eisprung täglich 1 bis 2 TL Hagebuttenpulver nehmen. Empfehlenswert ist das Pulver oder der Tee auch, wenn man bei Infekten unter Entzündungen der Mundschleimhaut leidet.

Ich kaufe das Hagebuttenpulver beim Kräuterstand auf dem Markt. Man kann es auch bei Wurzel-Sepp bestellen oder ein standardisiertes Präparat in der Apotheke kaufen (Litozin). Letzteres empfehle ich, wenn man damit Gelenkschmerzen behandeln möchte, weil es dann wichtig ist, die wirksame Dosis zu erreichen.

Holunderbeeren-Saft zur Infektabwehr

Holunderbeeren schützen in doppelter Weise vor dem Angriff von Influenza-Viren, wie Wissenschaftler kürzlich im Tierversuch zeigen konnten: Zum einen erschweren die Inhaltsstoffe der Holunderbeeren es den Viren, in die Wirtszelle einzudringen und sich dort zu vermehren, zum anderen stimulieren sie das Immunsystem, Antikörper und Zytokine zur Bekämpfung der Viren zu bilden. Ihre Wirkung übertrifft damit diejenige von Neuramidasehemmern, die den Virus lediglich an der Vermehrung hindern.

Aus Sicht der TCM sind Holunderbeeren geeignet bei fiebrigen Infekten mit verschleimten Atemwegen. Sie stärken auch Blut und Yin sowie die Nieren-Energie.

Zur Stärkung des Immunsystems oder bei akuten Infekten: 2 bis 3x täglich 10 bis 20 ml Saft oder Schorle trinken. Für einen Tee nimmt man mehrmals täglich bis zu drei TL zerdrückte Beeren, setzt sie mit 200 ml kaltem Wasser auf den Herd und kocht sie langsam auf. Dann 5 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen.

Wenn man die Beeren nicht selbst pflücken kann oder möchte, kann man guten, ungesüßten Saft auch bestellen, z.B. bei Brauweiler Fruchtsäfte.

Achtung: Tee und Saft der Holunderbeeren können abführend wirken, ebenso schweiß- und harntreibend. Bei einem akuten Infekt ist das erwünscht. Man sollte aber gleichzeitig viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Tee aus Holunderblüten eignet sich sehr gut, um einen beginnenden Infekt zu bekämpfen. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Schwarze Johannisbeere bei Stress bedingter Erkältung

Schwarze Johannisbeeren enthalten viel Vitamin C und wirken gegen Viren und Bakterien. In der TCM verwendet man sie im ersten und zweiten Stadium einer Erkältung (Frieren und Gliederschmerzen und dann Schwitzen und Fieber). Ebenso wie die Holunderbeeren stärken sie Blut und Yin, aber auch Qi. Schwarze Johannisbeeren sind deshalb gut, wenn man nach einer Phase der Anstrengung (z. B. Leistungssport oder verstärkter Stress) einer Erkältung vorbeugen möchte.

Zur Stärkung der Abwehrkräfte trinkt man über den Tag verteilt ein Glas Saft oder nimmt 3x täglich 1 TL oder 1 EL Johannisbeer-Mus (gibt es in gut sortierten Lebensmittelgeschäften). Für Tee nimmt man 2-4 TL getrocknete Beeren und überbrüht sie mit 200 ml Wasser. 5-10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.

Brennesselsamen geben Kraft zum Überwintern

Brennesselsamen

Im Wald kann man jetzt die Samen der Brennessel sammeln (Handschuhe anziehen). Sie enthalten viele Mineralien, u.a. Eisen, weshalb sie ebenfalls den Blutaufbau fördern. Aus der Sicht der TCM tonisieren Brennesselsamen Blut, Yin und Säfte. Sie kräftigen die Haare (Winterpelz), die Nägel und Knochen, nähren Bänder und Sehnen und befeuchten trockene Augen. Brennelsamen helfen außerdem bei Müdigkeit und stärken den Körper nach einem überstandenen Infekt. Ich gebe 1 TL über meinen Frühstücksbrei oder streue sie über Gemüse.

Schwarzkümmel-Öl reguliert das Immunsystem

Schwarzkümmel-Öl ist in arabischen und afrikanischen Ländern ein Allheilmittel. Wir kennen es hier als schwarze Körner auf dem Fladenbrot beim Döner. Inzwischen wird seine Wirkung auch von der westlichen Medizin erforscht. Wissenschaftlichen Studien zufolge wirkt es antimikrobiell und immunmodulierend, d.h. es verändert das Immunsystem. Ein zu schwaches Immunsystem wird ebenso gestärkt, wie eine überschießende Immunreaktion bei Allergien gedämpft wird. Aus der Sicht der TCM ist Schwarzkümmel-Öl geeignet, Feuchtigkeit und Schleim zu lösen (Inhalieren). Es stärkt das Blut und tonisiert die Nieren-Energie. Außerdem lindert es Schmerzen im Verdauungstrakt (Blähungen, Völlegefühl, Gastritis, Darmkrämpfe, Verstopfung).

Ich gebe Schwarzkümmel-Öl (aus der Apotheke) ab September in die Salatsoße oder über Gemüse. Es schmeckt besonders gut in Curry-Gerichten.

Ich wünsche Euch einen schönen, genußreichen und gesunden Herbst!

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