Kopfschmerzen und Migräne bei Hitze vorbeugen

Bei Menschen mit einer Neigung zu Kopfschmerzen und Migräne kann Sommerhitze die Symptome verstärken. Dieser Beitrag gibt Tipps, wie du mit Bewegung, Entspannung und Ernährung gegensteuern kannst.

Rückseite

Mit dem Beginn des schwül-warmen Wetters häuften sich in meiner Praxis die Fälle von Kopfschmerzen und schweren Migräne-Attacken. Mit einer Anpassung des Lebensstils kannst du gezielt vorbeugen.

„100 Krankheiten haben ihren Ursprung in Wind, Kälte, Sommerhitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Feuer“, heißt es in einem Klassiker der chinesischen Medizin („Einfache Fragen“, Kap. 74).

Gewöhnlich macht das Wetter nicht krank. Wenn man aber geschwächt ist oder das Wetter extrem oder für die Jahreszeit zu warm, zu kalt, zu feucht oder zu trocken ist, dann hat der Körper Schwierigkeiten sich anzupassen. Das gilt auch für plötzliche Wetterumschwünge. Und für den Wechsel zwischen klimatisierten Räumen und der Hitze auf der Straße.

Kopfschmerz ist eines der Symptome, die durch Sommerhitze hervorgerufen werden, denn Hitze dringt vom Kopf her in den Körper ein. Eine wichtige vorbeugende Maßnahme ist daher, sich vor der prallen Sonne durch eine Kopfbedeckung zu schützen und in den heißesten Stunden des Tages drinnen zu bleiben.

Symptome des Eindringens von Sommerhitze in den Körper sind laut chinesischer Medizin:

  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Kälteabneigung
  • Schwitzen
  • Schweregefühl
  • Unbehagen in der Magengrube
  • Reizbarkeit
  • Durst

Die Patientinnen und Patienten, die bei schwül-warmem Wetter verstärkt unter Kopfschmerzen leiden, haben meist eine längere Geschichte von Kopfschmerz oder Migräne. Das heißt, die äußere Hitze verstärkt eine bereits vorhandene innere Krankheitsursache. Die chinesische Medizin differenziert zwischen verschiedenen inneren Ursachen für Kopfschmerzen und Migräne, die ich in meiner Praxis mit Akupunktur und Kräutertherapie behandle. (Siehe auch den Beitrag “Mit Elektroakupunktur gegen Migräne“). Zusätzlich kann aber jeder/jede selbst durch Entspannung, Bewegung und Ernährung viel dazu beitragen, Kopfschmerzen und Migräne vorzubeugen.

Stressabbau durch regelmäßige Bewegung

Bewegung ist vor allem wichtig für Menschen, bei denen der Kopfschmerz durch Stress ausgelöst oder verschlimmert wird. Der amerikanische Therapeut Bob Flaws empfiehlt in seinem Buch „Curing headaches naturally with chinesische medicine“ jeden zweiten Tag 20 Minuten eine sportliche Aktivität, bei der sich der Puls so erhöht, dass er 80 Prozent über dem Ruhepuls liegt.

So findest du heraus, ob du richtig trainierst: Zunächst zählst du 15 Sekunden lang den Puls an der Halsschlagader. Diese Zahl nimmst du mal vier, um den Ruhepuls pro Minute zu erhalten. Um zu berechnen, wie hoch der Puls nach dem Training sein sollte, multiplizierst du diese Zahl mit 0,8. Dann fünf Minuten trainieren und nochmals 15 Sekunden den Puls an der Halsschlagader messen, mit vier mal nehmen. Wenn der Wert unter dem Zielwert liegt, musst die schneller oder härter trainieren.

Achte darauf, dass die gewählte Sportart dir Spaß macht (z.B. Laufen mit Musik in schöner Umgebung) und dass du dir keinen Schaden zufügst (z.B. durch Laufen auf Asphalt, trainieren in der prallen Sonne, etc.). Ein Anzeichen dafür, dass du richtig trainiert hast, ist, dass du dich danach für einige Stunden erfrischt und gestärkt fühlst. Wenn du dich dagegen ausgelaugt fühlst, hibbelig oder nervös oder wenn du mit Schlafstörungen und Nachtschweiß reagierst, ist Bewegung für dich nicht das richtige. In diesem Fall ist Kräutertherapie durch einen qualifizierten TCM-Therapeuten notwendig.

Besonders im Sommer, wenn du viel geschwitzt hast, solltest du den Elektrolytverlust durch Mineralwasser, isotonische Getränke, Apfelschorle oder alkoholfreies Bier ausgleichen.

Entspannungsübungen in den Tagesablauf einbauen

In vielen Schmerzkliniken gehören Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung zum täglichen Programm.  Bob Flaws schreibt, dass er vor vielen Jahren einmal eine Klinik besuchte, in der auf diese Weise Patienten mit Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Migräne und Schlafstörungen behandelt wurden. Was ihm bis heute in Erinnerung geblieben ist: Die Ärzte berichteten ihm, sie sähen kleine Erfolge nach 100 Tagen, große Erfolge nach 1000 Tagen.

Als kleine Erfolge eines täglichen Übens über gut drei Monate kann man erwarten, dass der Blutdruck sinkt, Appetit und Verdauung sich verbessern, der Schlaf und die Stimmung sich verbessern und die Energie zunimmt. Nach 1000 Tagen (etwas weniger als 3 Jahren) ist als großer Erfolg zu verzeichnen, dass sich die Art verändert, wie man auf Stress reagiert und man das Leben gelassener nimmt.

Wichtig: Ausdauer, d.h. tägliche Übung ist der Schlüssel, um in den Genuss der Vorteile von Tiefenentspannung zu kommen. Mindestens über 3 Monate ohne Ausnahme. Am besten integrierst du die Übung fest in deinen Tagesablauf so wie Zähneputzen.

Geführte Entspannungsübungen, bei denen ein Sprecher dir hilft, deinen Körper Schritt für Schritt tief zu entspannen, sind der Gegenpol zum Stressabbau durch Bewegung. Auf dem Markt gibt es eine Fülle von Angeboten. Am besten kaufst du mehrere zur Auswahl, um herauszufinden, ob du dich besser mit einer männlichen oder weiblichen Stimme entspannen kannst, ob dir das Sprechtempo gefällt, die Wortwahl und die Bilder, die Hintergrundmusik und wie schnell der Sprecher oder die Sprecherin durch die einzelnen Körperteile geht. Suche etwas aus, was dich anspricht und das du ohne innere Kritik oder Kommentare anhören kannst. Wenn du mehrere Entspannungsübungen hast, kannst du von Zeit zu Zeit auch mal wechseln, damit keine Langeweile aufkommt und du abstumpfst.

Folgendes solltest du bei der Auswahl beachten:

  • Die Entspannungsübung sollte beim Kopf beginnen und dann abwärts gehen.
  • Wähle eine Entspannungsübung aus, die auf der körperlichen Ebene (Muskeln und Sehnen) entspannt
  • Wähle Übungen, die den Atem in die Entspannung einbeziehen; mit jeder Ausatmung Spannung im Körper loslassen.

Einfaches Essen beugt Kopfschmerzen vor

In der chinesischen Medizin richten sich die Ernährungsempfehlungen nach dem zugrunde liegenden Krankheitsmuster. Bei Kopfschmerz und Migräne kommen mehrere Muster infrage, so dass man bei den nachfolgenden Empfehlungen ausprobieren muss – oder man lässt eine individuelle TCM-Kopfschmerz/Migräne-Diagnose von einem qualifizierten Therapeuten erstellen. Generell kann man aber sagen, dass es bei Kopfschmerzen und Migräne vor allem darum geht, Lebensmittel wegzulassen. Bob Flaws schreibt :

„To be perfectly honest, a clear bland diet a la chinese medicine is not the most exiting diet in the world.“ (Um ehrlich zu sein, ist eine unbelastete, fade Diät im Sinne der chinesischen Medizin nicht die spannendste der Welt.)

Stell dir das einfache Essen unser Vorfahren vor der Zeit des Wirtschaftswunders vor, das noch heute das Essen der ärmeren Menschen in den gemäßigten Klimazonen der Erde ist. Es besteht zum großen Teil aus vollwertigem Getreide, insbesondere Reis und Bohnen, gedämpftem Gemüse, wenig Fett und Zucker. Dazu zwei mal die Woche eine kleine Portion Fleisch. Wenn du auf eine solche Ernährung umstellst, können sich zunächst Gelüste nach mehr geschmacklicher Abwechslung einstellen. Diese vergehen jedoch nach einigen Tagen.

Bob Flaws rät dazu, diese Diät konsequent einzuhalten, denn wenn sich Gelüste z.B. nach Süßigkeiten einstellen, müsse man sich erst einmal von der Jahre langen Sucht nach Zucker befreien. Die Ernährungsberaterin Vera Splinter hält es dagegen für gesünder, sich nicht sklavisch und ängstlich an Ernährungsregeln zu halten, sondern sich von Zeit zu Zeit bewusst Abweichungen zu erlauben. Um die Wirkung einer Kopfschmerz-Diät zu erproben, empfehle ich, sie in den ersten drei Monaten konsequent durchzuhalten. Wenn die Kopfschmerzen bzw. Migräne-Attacken in dieser Zeit deutlich zurückgegangen sind, kannst du dich an die 80:20 Regel halten; d.h. In 80 Prozent der Zeit befolgst du die Empfehlungen und in 20 Prozent erlaubst du dir Abweichungen.

Geht Kaffee bei Kopfschmerz?

Für einige Patienten kann es gut sein, bei Kopfschmerzen Kaffee zu trinken, weil der bittere Geschmack aufsteigende Energie nach unten zieht (weshalb Kaffee zum Frühstück auch die Darmtätigkeit anregt). Wenn jemand aber viel Durst hat und viel schwitzt, sollte er Kaffee wegen der austrocknenden und wärmenden Wirkung reduzieren oder ganz weglassen. Eine gute Alternative ist grüner Tee. Er regt ebenfalls den Kreislauf an, wirkt aber kühlend.

Alkohol reduzieren

Alkohol hat in der chinesischen Ernährungslehre eine befeuchtende und wärmende Wirkung. Kopfschmerzpatientinnen und -patienten, bei denen Stress zu den auslösenden Faktoren gehört, sollten mit Alkohol vorsichtig sein. Laut TCM erzeugt Stress Stagnation und daraus entsteht oft Hitze, wie wenn man im Auto mit angezogener Handbremse fährt. Rotwein und Hochprozentiges solltest du im Sommer unbedingt vermeiden. Zum Entspannen am Abend trinke lieber ein Glas Weißwein oder Weizenbier. Sie haben eine energetisch kühlende Wirkung. Noch besser ist alkoholfreies Bier oder ein Radler.

Scharfes und saures Essen

Scharfes Essen kann bei heißem Wetter kurzfristig Erleichterung schaffen, weil es stagnierte Energie bewegt – und zwar nach oben und außen, weshalb auch die Schweißproduktion anregt wird und der Körper abkühlt. Ungünstig ist, dass die in den Kopf steigende Energie ebenfalls verstärkt wird, was Kopfschmerzen auslösen kann.

Saures Essen bewirkt genau das Gegenteil: Es zieht zusammen. Das verhindert zwar das Aufsteigen der Energie, kann andererseits aber auch den Energieflusses ins Stocken bringen. Deshalb sollten gestresste Kopfschmerz-Patienten Orangensaft oder Tomaten nur mit Vorsicht genießen.

Mehr Tipps für erfrischendes Essen im Sommer findest du im Beitrag kühlendes Essen für die heißen Tage.

Fazit: Bewegung jeden zweiten Tag, tägliche Entspannungsübungen und eine Anpassung deines Speisezettels sind Mittel, mit denen du die Häufigkeit und Intensität deiner Kopfschmerz/Migräne-Attacken selbst beeinflussen kannst.