Gute Vorsätze für 2017 – so halten wir durch

Rückseite

Wenn unser Ziel realistisch ist, wir aber trotzdem bald aufgeben, liegt das oft an mangelnder Disziplin. Die chinesische Lehre der fünf Wandlungsphasen hilft uns, diese Tugend zu trainieren.
Sport treiben, gesunde Ernährung, regelmäßige Auszeiten, mehr schlafen, mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen – damit das, was Du Dir für das neue Jahr vorgenommen hast, dauerhaft gelingen kann, brauchst Du Selbstdisziplin.
In der chinesischen Lehre der fünf Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser gehört die Disziplin zum Metall. Jede Wandlungsphase steht u.a. für bestimmte Eigenschaften der Persönlichkeit. Das Metall gibt uns Struktur, Härte, Format, Selbstwert, Sinn für Qualität und Werte. Es bestimmt den Rhythmus unseres Lebens.
Menschen mit einem schwachen Metall können folgende Schwierigkeiten haben:
• Ordnung und Sauberkeit
• sich eine Struktur geben
• sich und anderen Grenzen setzen
• Überflüssiges weggeben
• sich aus belastenden Beziehungen lösen
• Abschied nehmen
• Vergangenes loslassen
• Selbstdisziplin.

Den Tagesablauf strukturieren

Für Menschen mit einer Schwäche im Metall ist es besonders wichtig, den Tagesablauf zu strukturieren und täglich wiederkehrende Aufgaben oder Abläufe in einer festen Reihenfolge zu erledigen. Wenn man sich z.B. vornimmt, im Neuen Jahr täglich einige Liegestützen, Dehnübungen oder Qi Gong zu üben, baut man dies am besten in die morgendliche Routine ein. Dann wird es so selbstverständlich wie das Zähneputzen. Außerdem ist diese Aufgabe dann schon erledigt und man muss sich am Abend nicht mehr dazu aufraffen.
Feste Zeiten sind ebenso wichtig. Besonders für den Schlaf-Wach-Rhythmus und das Verdauungssystem. Nicht umsonst sind dem Metall die Organe Lunge und Dickdarm zugeordnet. Sie geben dem Körper Rhythmen vor (die Atmung), fordern aber auch Regelmäßigkeit ein. Der Dickdarm ist ein Gewohnheitstier. Fehlt ihm der Rhythmus, neigt er zu Verstopfung.

Um in einen gesunden Rhythmus zu finden, kann man sich selbst Stützen und Erinnerungen ausdenken. Eine Freundin, die sich ärgerte, dass sie wegen Herumhängen vor dem Fernseher oft viel zu spät ins Bett ging, stellte ihren Wecker, damit er sie an die Schlafenszeit erinnerte. Experten für Zeitmanagement raten dazu, regelmäßig Zeitfenster für Freizeitaktivitäten und Erholungsphasen im Kalender zu blockieren.

Keine Ausnahmen, keine Ausreden

Wer es einmal geschafft hat, sich an feste Abläufe und Uhrzeiten zu gewöhnen, fühlt sich oft wohler und sicherer. Ein Freund, der viele Jahre auf dem Internat verbracht hatte, trauerte dieser Zeit nach. Er habe früher immer um Punkt 12:30 Uhr zu Mittag gegessen und nach seinem Magen hätte man die Uhr stellen können. Mit der Freiheit des Studentenlebens kam er nur schwer zurecht.

Ist die Struktur nicht von außen vorgegeben, sind Menschen mit einer Schwäche im Metall versucht, sich Ausnahmen zu genehmigen. Sie sind auch besonders gut darin, Ausreden und Entschuldigungen für diese Ausnahmen zu finden. Aber jeder Sportler, der eine Trainingsroutine unterbrochen hat, weiß, wie mühsam es ist, wieder hinein zu kommen und das gewohnte Leistungsniveau erneut zu erreichen. Wenn ich mein Kung Fu Training verpasse, kann ich das Versäumte in der kommenden Woche noch nachholen. Fehle ich zweimal, wird es schwieriger und ich habe noch weniger Lust zu gehen. Nach drei Wochen habe ich den Anschluss verloren.

„Das Richtige berichtigt“, sagte mir ein Meditationslehrer. Das heißt: Wenn ich etwas richtig mache, verbessert sich damit auch anderes in meinem Leben. Wenn ich bei der Meditation aufrecht sitze, richtet sich auch mein Geist auf und umgekehrt. Und eine gut eingeübte Routine hilft mir, Vorsätze auch an Tagen zu halten, an denen ich mich schlaff und lustlos fühle. Statt zu hadern und mir vorzuwerfen, dass ich es mal wieder nicht geschafft habe, befolge ich meinen Vorsatz einfach ohne groß nachzudenken.

Gutes Essen für die Selbstdisziplin

Die Wandlungsphasen sind in einem Zyklus angeordnet, in dem jedes Element ein anderes hervorbringt und nährt, wie die Mutter das Kind. Die Mutter des Metalls ist die Erde. Und die stärkt man am besten durch gesundes Essen nach den Regeln der chinesischen Medizin. Hier das Wichtigste in Kürze: Warmes Essen bevorzugen (v.a. gekochtes Frühstück), wenig Zucker und mehr nährende und stärkehaltige Nahrungsmittel (Reis, Kartoffeln, Kürbis, Karotten, Hirse, Trockenfrüchte, gekochtes Obst), wenig Rohkost, Tiefkühlkost und Zubereitung in der Mikrowelle vermeiden. Und natürlich regelmäßig essen, Naschen vermeiden und die letzte Mahlzeit spätestens 2 Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen.

Nicht übertreiben

Diese Tipps gelten für Menschen mit einem schwachen Metall. Wer es mit der Disziplin übertreibt, riskiert, dass sein Metall zu stark wird. Ein solcher Mensch ist starr und unflexibel (bis zu zwanghaft), rigide in seinen Ansichten und seinem Verhalten (Altersstarrsinn), unnachgiebig und hart im Urteilen und distanziert. Unser modernes Leben fordert zudem zwei Tugenden des Metalls ohnehin schon besonders stark: Leistungsfähigkeit und Perfektionismus. Mit Selbstoptimierungsprogrammen droht dieser Anspruch, auch unser Privatleben zu dominieren. Das kann zu starken Abwehrreaktionen oder Ausbrüchen führen: ich kenne z.B. sehr disziplinierte Menschen, die ab und zu “durchbrennen” und Süßigkeiten essen, bis ihnen schlecht ist.

Die Chinesen befürworten den goldenen Weg der Mitte. Wer also ein Sportprogramm mit Leistungssteigerung einplant, sollte auf der anderen Seite genauso viel Zeit für Erholung oder Nichtstun veranschlagen. Der Zen Lehrer Thich Nhat Hanh genehmigt den Mönchen und Nonnen in seiner Gemeinschaft jede Woche einen “lazy day”, an dem es außer der täglichen Meditation keine Verpflichtung gibt.

Und vergesst die Freude nicht. Sie gehört zur Wandlungsphase des Feuers. Es schmilzt zu hartes Metall, damit es weich und biegsam wird.