Gesunde Verdauung – gesunder Mensch

Rückseite

Eine gesunde Verdauung, guter Appetit und regelmäßige Darmentleerung waren das A und O der mittelalterlichen Medizin. Auch die Chinesische Medizin legt großen Wert auf die Stärke der “Mitte”. Damit ist der gesamte Verdauungstrakt gemeint.

In seiner „Abhandlung über die Milz und den Magen“ schreibt der chinesische Arzt Li Dong-yuan (1115-1386):

„Wenn Milz und Magen schwach sind, können Müdigkeit, Schläfrigkeit und Schwäche der vier Gliedmaßen entstehen.“

Aus der Sicht der Chinesischen Medizin sind dies sichere Zeichen für eine Schwäche der Mitte. Im engeren Sinne spricht man von den Funktionskreisen “Magen” und “Milz/Bauchspeicheldrüse”. Jede Jahreszeit birgt außerdem für die Mitte besondere Herausforderungen:

„Wenn im Herbst die Hitze und Feuchtigkeit abnehmen und die Trockenheit überwiegt [Herbstwind, Heizungsluft A.d.Ü], können ein allgemeines Schweregefühl, schmerzende Gelenke, ein bitterer Mundgeschmack, eine trockene Zunge, die Unfähigkeit zu Schmecken, unregelmäßiger Stuhlgang, häufiges Wasserlassen, Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche auftreten.“

Ein Schweregefühl in den Gliedmaßen, Schwellungen und Ödeme weisen auf die Ansammlung von Feuchtigkeit hin, die aus der Sicht der Chinesischen Medizin unmittelbar aus einem geschwächten Funktionskreis Milz/Bauchspeicheldrüse folgt. Denn dieser reguliert die Umwandlung und Ausscheidung von Flüssigkeiten.

Unabhängig von der Jahreszeit sind dies die typischen Symptome für ein schwaches Verdauungssystem:

  • Appetitlosigkeit
  • weicher Stuhl, evtl. mit unverdauten Nahrungsresten
  • Müdigkeit, besonders am Morgen und nach dem Essen
  • schwere Gliedmaßen
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwellungen, Ödeme

Verdauung und Immunsystem

Li Dong-yuan fährt fort:

„Diese Symptome können einhergehen mit einer Abneigung gegen Kälte wie wenn man [von Regen] durchweicht wurde, Melancholie, Verzagtheit [sowie] einem ungesunden [blassen] und unharmonischen Teint aufgrund der Kombination mit einer Lungen-Krankheit.“

Damit sind wir bei den typischen Erkältungssymptomen im Herbst. Sie müssen aber nicht auftreten, wenn man eine starke Mitte besitzt. Denn Lunge und Milz/Bauchspeicheldrüse stehen in einer besonderen Beziehung zueinander: Beide versorgen der Körper nach der Geburt mit Energie. Die Lunge nimmt die Energie über die Atmung auf. Das Blut transportiert dann das Qi von Lunge und Verdauungstrakt in den ganzen Körper – bis in die kleinsten Verästelungen der Kapillaren.

In der Lehre der fünf Wandlungsphasen (oder fünf Elemente) ist die Milz/Bauchspeicheldrüse außerdem die “Mutter” der Lunge. Wenn die Mutter stark ist, gedeiht auch das Kind. Und das kommt wiederum dem Immunsystem zugute, das in der chinesichen Medizin eng mit dem Funktionskreis der Lunge verknüpft ist.

Symptome für eine Schwäche im Funktionskreis Lunge:

  • schwache Stimme, Heiserkeit
  • Unlust zu sprechen
  • Kurzatmigkeit
  • Infektanfälligkeit
  • spontanes Schwitzen tagsüber
  • leuchtend blasse Gesichtsfarbe
  • Müdigkeit
  • Kälteabneigung

Iss Dich gesund im Herbst

Li Long-yuan gibt in seiner „Abhandlung über Milz und Magen“ eine Kräuterrezeptur an, mit der die geschilderten Symptome des Verdauungssystems und der Lunge behandelt werden können.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, plädiere ich besonders im Herbst für gutes, ausgewogenes Essen. Denn so kann man die Verdauung und das Immunsystem stärken.

Zum Glück macht es uns der Herbst als Zeit der Ernte leicht. Jetzt ist die Zeit für herzhafte Eintöpfe mit Kohl, Kartoffeln und Wurzelgemüse, Federweißen mit Zwiebelkuchen, Kürbissuppe, Obstkompott, große Bleche mit Apfel- oder Zwetschgenkuchen.

Stärkende Hühnersuppe

Wenn es nass und kalt ist, kaufe ich beim Geflügelhändler ein Suppenhuhn. (Billiger sind Flügel oder Hühnerkarkassen – das Gerippe vom Huhn). Ich setzte einen großen Topf mit etwa 3 l Wasser auf und koche die Hühnchenteile etwa 3 Stunden. Dann nehme ich das Fleisch heraus und löse es von den Knochen. Währenddessen koche ich das Suppengrün 20 Minuten in der Brühe. (Rezept Hühnersuppe)

Gut ist es, im Herbst und Winter Petersilienwurzel mitzukochen. Man kann ihre Blut nährende und stärkende Wirkung durch die Kombination mit Liebstöckel- und Angelica-Wurzel verstärken. (Achtung: Liebstöckel- und Petersilienwurzel nicht in der Schwangerschaft verwenden.) Alternativ kann man Pfingstrosenwurzel und die Wurzel von Angelica sinensis verwenden. Die chinesische Angelica-Wurzel ist noch stärker Blut nährend als die europäische Variante und sie gibt der Suppe einen besonderen Geschmack, der etwas an Maggi erinnert. Ich habe alle diese Wurzeln über meine Apotheke bestellt (außer Petersilienwurzel – die gibt es auf dem Markt).

Von Hühnersuppe esse ich jeden Tag eine Tasse vor dem Abendessen.

Congee zur Gesundheitspflege

Congee ist eine Reissuppe, die es in China in vielen Varianten gibt. Je nachdem, was man hinzugibt, kann man damit auch gezielt das Verdauunssystem stärken, Feuchtigkeit ausleiten oder Blut aufbauen. Meine Kollegin, die Ernährungsberaterin Vera Splinter, hat eine ganze Sammlung solcher Rezepte zusammengestellt, die ich schon vielen Patientinnen und Patienten empfohlen habe. Unabhängig von spezifischen Beschwerden empfiehlt sie, im Herbst und im Frühjahr eine dreiwöchige Kur mit einem Congee zur Gesundheitspflege. Es schmeckt etwas gewöhnungsbedürftig. Aber mir haben schon einige Patientinnen berichtet, dass sie es ihnen sehr gut getan hat. (Das Rezept erkläre ich in meinem Betrag: Gesund durch das Frühjahr.)

Wenn Du mehr Gesundheitstipps möchtest, um gesund durch den Herbst zu kommen, empfehle ich meinen Workshop bei der VHS.

Zeit: 9. November von 14 bis 17

Ort: BIKUZ Frankfurt Höchst (direkt gegenüber der S-Bahn-Station).

Anmeldung über die VHS.