Geburtsvorbereitende Akupunktur

Die geburtsvorbereitende Akupunktur nach Römer wurde 1996/97 in einer Studie mit 1000 Schwangeren an der Universitätsfrauenklinik Mannheim untersucht. Ihre wichtigste Wirkung ist die Verkürzung der Geburt um mehr als 2 Stunden.

Der Frauenarzt Ansgar Römer teilte für seine Studie zur Wirkung der geburtsvorbereitenden Akupunktur die Schwangeren in drei Gruppen ein. Dabei erhielt eine Gruppe Akupunktur nach einem vorher festgelegten Schema zur Erleichterung der Geburt. Die zweite erhielt eine „psychisch ausgleichende“ Akupunktur. Und die Schwangeren in der dritten Gruppe entbanden ohne vorherige Akupunktur.

Was bewirkt geburtsvorbereitende Akupunktur?

  • Die Dauer der Geburt war um durchschnittlich mehr als 2 Stunden verkürzt, weil die Eröffnungsphase schneller war. Die Austreibungsphase blieb gleich lang.
  • Bei der Geburt muss der Muttermund aufhören, das Baby zu halten und sich für die Geburt öffnen. Bei Erstgebährenden, die geburtsvorbereitende Akupunktur erhielten, ging das leichter. Oft war der Muttermund schon mehrere Zentimeter eröffnet, bevor die Gebärenden schmerzhafte Wehen bemerkten.
  • Die Wehen waren in der behandelten Gruppe „produktiv“. Das heißt: Wehenschwäche oder Wehen, die die Geburt nicht voran bringen, traten seltener auf. Die Zahl der Gebärenden, die Wehen anregende Infusionen erhielten, war gegenüber der Kontrollgruppe um 61 Prozent reduziert.
  • Die Zahl der Kaiserschnitte war nach geburtsvorbereitender Akupunktur deutlich niedriger.

Fazit: Es gibt nach geburtsvorbereitender Akupunktur weniger Schmerzen und weniger Komplikationen. Ansgar Römer empfiehlt deswegen, sie in die übliche Geburtsvorbereitung aufzunehmen.

Kann die Geburt früher eintreten?

Die geburtsvorbereitende Akupunktur hatte in der Studie keinen Einfluss auf den Geburtstermin. Also: die Geburt tritt nicht früher ein. Andererseits lässt sich aber auch nicht verhindern, dass das Kind übertragen wird. Offenbar bestimmt der Körper (zusammen mit dem Kind) den Geburtstermin selbst.

Ab wann bekomme ich geburtsvorbereitende Akupunktur?

Die Akupunktur beginnt ab der 36. Schwangerschaftswoche mit einer Behandlung pro Woche. Es werden hauptsächlich Punkte an den Beinen behandelt. Die Nadeln bleiben 20 Minuten liegen. In den Stunden nach der Behandlung können verstärkt Kindsbewegungen auftreten. Das ist ein positives Zeichen.

Gibt es Gegenanzeigen?

Gegenanzeigen sind ein geplanter Kaiserschnitt und Blutgerinnungsstörungen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Das hängt leider davon ab, wer die Akupunktur durchführt. Eine Hebamme, wie meine Kollegin Nina Wagner, kann mit der Krankenkasse abrechnen. Die Leistung eines Heilpraktikers mit Spezialisierung in Akupuntur übernimmt die gesetzliche Krankenkasse i.d. R. nicht. Wer öfter naturheilkundliche Therapien nutzt, sollte eine Zusatzversicherung abschließen.

Frauenheilkunde in der chinesischen Medizin

In meiner Praxis behandle ich Frauen mit Kinderwunsch und begleite sie in der Schwangerschaft. In den drei ersten Monaten liegt der Schwerpunkt darauf, die Schwangerschaft zu unterstützen und Schwangerschaftsübelkeit zu lindern. Im letzten Drittel der Schwangerschaft treten eher Beschwerden durch Ödeme oder Schmerzen im Bewegungsapparat auf. Vier Wochen vor dem Termin biete ich geburtsvorbereitende Akupunktur und Beratung zur Ernährung im Wochenbett an. Die Frauenheilkunde der chinesischen Medizin berücksichtig neben der körperlichen Verfassung auch die Emotionen, die Lebensumstände und Beziehungen der Patientinnen. Das ist gerade für das Wochenbett wichtig. Es dient nicht nur der Regeneration der Mutter, sondern auch dazu, sich mit der neuen Lebenssituation zurechtzufinden.

Referenz:
Ansgar Römer: Akupunktur für Hebammen, Geburtshelfer und Gynäkologen. Ein Lehrbuch der Chinesischen Medizin. Hippocrates Verlag Stuttgart 2008, 4. Auflage, S. 130-133.

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