Frühjahrskur mit Kräutern ist besser als Diät

Vom Fasten im Sinne einer Nulldiät hält die Traditionelle Chinesische Medizin nicht viel. Stattdessen empfiehlt sie eine Frühjahrskur mit Kräutern, die den Körper stärken, reinigen und duchspülen.

Abnehmen, Reinigen, Entschlacken – das spielt in der TCM nicht so eine große Rolle wie in der Naturheilkunde. Vielmehr ist das Frühjahr für die Zeit, den Funktionskreis der Leber zu stärken. Das wirkt sich auf positiv auf Heuschnupfen und Frühjahrsmüdigkeit aus. Es macht schmerzende Muskeln und Sehnen geschmeidig. Und tut geschwollenen Beinen und Gelenken gut (Rheuma, Gicht). Interessanterweise haben die Kräuter für die Leber auch eine entwässernde und damit reinigende Wirkung.

Die Leber und der Stress

  • Die Leber ist für den harmonischen Fluss des Qi (der Lebensenergie) im Körper zuständig. Bei Stress und Ärger stagniert das Leber-Qi. Es greift dann meist das schwächste Organsystem an. Das begünstigt Heuschnupfen oder Asthma, Reizdarm, Sodbrennen, Magenbeschwerden etc.
  • Die Leber speichert das Blut und reguliert das Blutvolumen im Körper. Eine ausreichende Menge an Leberblut ist wichtig für geschmeidige Muskeln und Sehnen sowie gesunde Nägel. Deshalb ist eine Frühjahrskur mit Kräutern auch gut für schmerzende Muskeln und Sehnen.
  • Das Leberblut ernährt die Augen. Sie sind dann normal feucht und sehen gut. Das Leberblut zu stärken ist wichtig, wenn man bei Nacht schlecht sieht oder häufiger Punkte oder Schlieren sieht.

Viel grünes Gemüsse essen

Jetzt ist die Zeit, viel grünes Gemüse und frische Kräuter zu essen. Am besten das Gemüse der Saison, frisch vom Markt: Brokkoli, Feldsalat, Mangold, Spinat, Ruccola, Stangensellerie. Diese Gemüse nähren das Leberblut. Stangensellerie und Spinat haben auch einen kühlenden Effekt.

Einsatz von Spinat

  • chronische Verstopfung mit Trockenheit (Augen oder Haut)
  • trockener Mund, Durst, Unruhe (auch nach Fieber oder Alkoholgenuss)
  • Hämorrhoiden

Einsatz von Stangensellerie

  • Spannungskopfschmerz und einseitigem Kopfschmerz
  • Reizbarkeit, Unruhe, Durchschlafstörungen
  • verstärkter Durst nach Hitze, Fieber, scharfen Gewürzen und Alkohol
  • Blasenentzündung mit wenig dunklem Urin
  • gelblicher Scheidenausfluss

Angaben nach Ruth Rieckmann: Kraftsuppen & Essenzen. Heilen und genießen mit den fünf Elementen.

Ich koche aus grünem Gemüse gerne Risotto, das ich mit frischen Kräutern garniere. Zum Abendessen empfehle ich die Zubereitung als Suppe. Dazu Brot mit Kresse, Schnittlauch oder Bärlauchbutter. Ab Gründonnerstag beginnt auch die Zeit für die Frankfurter grüne Soße. Sie besteht aus Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Traditionell wird sie mit Tafelspitz oder gekochten Eiern und Salzkartoffeln serviert. Man kann sie aber auch zu Spargel essen.

Meine Lieblingskräuter im Frühjahr

Meine beiden Lieblingskräuter sind die Brennessel und der Löwenzahn. Hier die Steckbriefe zu ihren Wirkungen:

Die Brennessel

Als Tee, Suppe oder Gemüse ist die Brennessel im Frühjahr sehr zu empfehlen. Oder man gibt Brennesselsamen in den Frühstückbrei oder in den Salat. Die Brennessel

  • stärkt Muskeln, Sehnen und Bänder
  • nährt das Leberblut und hilft so gegen Frühjahrsmüdigkeit
  • kräftigt Haare und Nägel
  • hilft bei trockenen, juckenden Augen (Frühjahrsallergie, Bindehautentzündung)
  • leitet Feuchtigkeit aus bei Ödemen und geschwollenen Gelenken
  • Bei Rheuma, Gicht, Schmerzen im unteren Rücken und Ischiasschmerz ist eine Frühjahrskur mit Brennesselpresssaft zu empfehlen (gibt es im Reformhaus).

Der Löwenzahn

Als Salat, Tee oder Presssaft hat der Löwenzahn folgende Wirkungen:

  • harmonisiert den Fluss des Leber-Qi und wirkt somit harmonisierend bei Stress bedingten Beschwerden wie Sodbrennen, Gastritis oder Darmentzündungen
  • macht gute Laune bei Ärger, Bitterkeit und Anspannung (einschließlich PMS)
  • obwohl er den Appetit anregt, ist er gut gegen den Hüftspeck vom Winter
  • entwässert bei Blasenentzündung sowie bei Feuchtigkeit in den Gelenken
  • leitet Toxine aus, z.B. bei Gicht, aber auch bei roten Hautausschlägen
  • löst kleine Steine in der Gallenblase auf.

Ich mache gerne eine Frühjahrskur mit Löwenzahn-Presssaft. Man erhält ihn im Reformhaus (z.B. von Schoenenberger). Über drei Wochen vor dem Mahlzeiten 15 ml Saft einnehmen. Auf der Packung steht: Bei Verdauungsbeschwerden. Aus Sicht der TCM ist hier die Wirkung auf Leber und Gallenblase gemeint. Vorsicht: bei größeren Gallensteinen können Gallenwegsverschlüsse auftreten, wenn sich die Steine lösen.

Keine Frühjahrskur ohne Bewegung

Im Frühjahr ist die Energie nach außen und oben gerichtet. Man sieht es daran, wie in der Natur alles mit ungeheuer Kraft sprießt und treibt. Im menschlichen Körper ist jetzt die Leber-Energie besonders aktiv. Sie ist jetzt anfälliger für Stagnation durch Stress. Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Unruhe sind typische Symptome. Deshalb ist Bewegung die perfekte Ergänzung für eine Frühjahrskur mit Kräutern. Ich empfehle 3 Mal pro Woche eine halbe Stunde Ausdauersport. Dazu tägliche Spaziergänge im Grünen und Qi Gong. Qi Gong ist durch die Verbindung mit der Atmung besonders gut bei Unruhe und Reizbarkeit. Das es sanfte Bewegungen sind, eignet es sich auch für geschwächte Menschen.

 

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