Fit und gesund mit TCM-Frühjahrskur

Im Frühjahr herrscht die Energie des Neuanfangs. Das ist belebend, kostet aber auch Kraft. Mit diesen Tipps aus der TCM vermeidest Du Verspannungen, Müdigkeit und Reizbarkeit.

Rückseite

Wusstest Du, dass die Bäume fast alle ihre Energiereserven aus dem vergangenen Sommer aufbieten müssen, um im Frühjahr wieder auszutreiben? Dabei ist es nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Vielen Menschen ging es in den letzten Wochen ähnlich: Plötzliche Wärme, Wind, Kälte und dann eine Erkältung. Jetzt ist es Zeit für eine Frühjahrskur.

Manche fühlen sich jetzt schlapp und haben das Gefühl, mit dem Tempo der Natur nicht mitzukommen. Die von Heuschnupfen geplagten schwanken zwischen allergischen Symptomen und Müdigkeit durch Antihistamine. (Bei akutem Heuschnupfen ist übrigens auch Akupunktur hilfreich und hat keine Nebenwirkungen.)

Die Energie des Holzes regulieren

Nach der Lehre der fünf Wandlungsphasen ist der Frühling die Zeit des Holzes, das durch eine stark nach außen und oben drängende Energie charakterisiert ist. Wir sehen das nicht nur am explosiven Wachstum in der Natur, sondern spüren es auch im eigenen Körper. Menschen, die zu Kopfschmerzen neigen, merken jetzt häufiger, wie Verspannungen im Nacken und Schultergürtel sich in dem Kopf ausbreiten. Bei manchen verstärkt sich die gereizte Stimmung oder aufbrausendes Verhalten.

Regulieren kann man die Energie des Holzes, die im Idealfall harmonisch fließen und alle Organe bei ihrer Funktion unterstützen soll, indem man im Frühling die Funktionskreise der Leber und Gallenblase unterstützt. Ein ideales Mittel dazu ist Bewegung, besonders, wenn man stark unter Spannung steht. Empfohlen werden zwei bis dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten. Wichtig: man sollte sich eine Form der Bewegung aussuchen, die einem Spaß macht und sich nach dem Training (bzw. Spaziergang, Walken, Radfahren) gut und entspannt fühlen.

Gut geeignet sind jetzt auch Dehnübungen, um die Bänder und Sehnen geschmeidig zu halten. Beim Qi Gong werden bevorzugt Übungen gewählt, bei denen der Körper sich dreht (Kopf kreisen, Drehungen der Wirbelsäule, kombinierte Drehung und Dehnung).

Wichtig ist es auch, sich im Frühling gut vor Wind zu schützen. In der TCM heißt der Wind die „Speerspitze der 1000 Krankheiten“. Da der Hauptangriffspunkt des Windes der Nacken ist, empfiehlt es sich, ein Halstuch oder einen leichten Schlauchschal zu tragen, v.a. beim Fahrradfahren, Motorradfahren und im offenen Cabrio.

Kräuter für die Frühjahrskur

In der TCM hat die Leber außerdem die Aufgabe, das Blut zu speichern. Der Frühling bringt viele Kräuter hervor, die sich gut zum Blutaufbau im Sinne der TCM eignen. In der westlichen Kräuterheilkunde schreibt man diesen Kräutern oft eine „Blut reinigende“ Wirkung zu. Das betont die Funktion der Leber als entgiftendes Organ. Praktischerweise haben diese Kräuter meist auch eine harntreibende Wirkung, so das die Gifte gleich ausgespült werden. Das kommt auch Menschen mit Rheuma und Gicht zugute. Jetzt ist die optimale Zeit für eine Frühjahrskur mit Brennesseln oder Löwenzahn (eine Kur dauert ca. 4 Wochen).

Löwenzahnwurzel:

Anne Hardy/Anne Hardy-Vennen

Der Löwenzahn hat eine beruhigende, entspannende und kühlende Wirkung bei Menschen, die unter Stress Symptome wie Kopfschmerzen, Magenreizung mit Sodbrennen oder Hautauschläge entwickeln. Er wirkt lösend bei Ärger und Bitterkeit und lindert die Symptome von Reizbarkeit, Brustspannen und Unterleibsschmerzen vor der Menstruation. Er regt den Fluss der Verdauungssäfte an und ist damit Appetit anregend. Da der Stoffwechsel aber zugleich angeregt wird, kann eine Frühjahrskur mit Frischpflanzenpresssaft auch dabei helfen, den Hüftspeck vom Winter abzuschmelzen. Löwenzahnwurzel unterstützt die Leber beim entgiften und hilft so auch bei Rheuma und Gicht.

Vorsicht: bei Gallensteinen sollte man Löwenzahn nur nach Rücksprache mit dem Arzt in therapeutischen Dosen einnehmen. Große Gallensteine können sich durch den erhöhten Gallenfluss lösen und eine Gallenkollik auslösen. Kleinere Steine können sich hingegen auflösen oder ausgespült werden. Nicht geeignet ist Löwenzahn bei Magen- oder Dünndarmgeschwüren.

Dosierung: Zu therapeutischen Zwecken nimmt man über vier Wochen Frischpflanzenpresssaft (3x tägl. ca. 20 ml) oder 3x tägl. 10 bis 15 Tropfen Tinktur. Man kann auch 3x täglich einen Tee mit getrockneter Löwenzahnwurzel machen (ca. 3 TL auf 1 Tasse Wasser, 3x täglich).

Löwenzahnblätter

Sie wirken weniger auf die Verdauung und die Leber, sondern stärker harntreibend. Man wendet sie v.a. zur Durchspülungstherapie an.

Tipp für Feinschmecker:

Die angenehmste Art, Löwenzahn im Frühjahr zu sich zu nehmen, ist für mich der Löwenzahnsalat (je nach Geschmack mit Speckstückchen und gekochtem Ei angerichtet). Im Saarland ist das eine echte Delikatesse und hat den sprechenden Namen: „Bettsaicher-Salat“.

Brennessel:

Anne Hardy/Anne Hardy-Vennen

Brennesselsamen

Die Blätter und Samen der Brennessel stärken aus Sicht der TCM das Leber-Blut. Sie machen kräftige Haare und Nägel. Gleichzeitig werden die Bänder und Sehnen geschmeidig. Bei bestimmten Formen von Frühjahrsallergien mit Augenjucken oder allergischem Astma wirken sie beruhigend auf das Immunsystem.

Die Blätter und die Wurzel wirken harntreibend und eignen sich zur Durchspülung bei Harnwegsinfekten und Vorbeugung von Nierengries. Sie sind außerdem entzündungshemmend. Deshalb ist eine Frühjahrskur mit Brennesselblättern auch gut bei Rheuma und Gicht.

Darreichungsformen und Dosierung: Zu therapeutischen Zwecken nimmt man die Blätter am besten als Frischpflanzenpresssaft. Es sollte eine Tagesdosis von 8 bis 12 Gramm Frischpflanzen erreicht werden. Für einen Tee überbrüht man 2 TL getrocknete Brennesselblätter mit 150 ml Wasser. 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und täglich 4 bis 6 Tassen trinken. Eine Kur sollte etwa 4 Wochen dauern.

Für Brennesselwasser setzt man frische Brennesseltriebe oder 12 TL getrocknete Blätter mit einem Liter kaltem Wasser an und lässt das ganze eine halbe bis zwei Stunden ziehen. Dann abseihen und über den Tag verteilt trinken.

Bei der Wurzel beträgt die Tagesdosis 4 bis 6 Gramm Droge. Am besten kalt ansetzen, aufkochen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und trinken.

Tipp für Feinschmecker:

Brennesselsuppe:

150 g zarte, hellgrüne Brennesselblätter (frisch gesammelt, mit Handschuhen) blanchieren bis sie zusammenfallen und im Sieb abtropfen lassen. Eine in Würfel geschnittene Zwiebel in 2 EL Butter andünsten. 2 EL Mehl dazugeben und anschwitzen, nach und nach unter Rühren je ½ L Fleischbrühe und Milch dazu geben bis die Suppe kocht. Die Brennesseln fein schneiden und weitere 5 min. in der Suppe ziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Je nach Geschmack kann man auch noch Croutons dazu geben.

Brennesselgemüse bereitet man ähnlich zu, nur dass man 750 g junge zarte Brennesselblättchen nimmt und nur 1/8 L Fleischbrühe. Die Milch durch 1/8 l Sahne ersetzen. Man kann das Gemüse zu allen Gerichten servieren zu denen auch Spinat passt, z.B. Spiegeleier und Kartoffeln.

Eisenkraut (Verbena officinalis)

Eisenkraut ist eines der besten Mittel gegen Stress und Reizbarkeit. Es ist ein wichtiger Bestandteil von Kräuterrezepturen gegen Kopfschmerzen, Schwindel und Tinnitus, die durch Stress erzeugt werden. Am Abend wirkt es beruhigend und Schlaf fördernd und ist besonders bei nervöser Erschöpfung zu empfehlen. Für einen Tee nimmt man 1 TL pro Tasse und lässt 10 bis 15 min. zugedeckt ziehen.

Viel Saft und Kraft für das Frühjahr und gutes Gelingen für alle Pläne, die Du jetzt mit neuem Schwung in Angriff nehmen möchtest!