Die Pille: ein hormoneller Keuschheitsgürtel

Als die Pille 1961 auf den Markt kam, versprach sie Lust ohne Last. Doch zur Last der Nebenwirkungen und Risiken gesellt sich allmählich die Erkenntnis, dass die hormonelle Verhütung auch die Lust dämpft.

Rückseite

Als die erste Pille 1961 in Deutschland zugelassen wurde, reagierte die Frauenbewegung darauf zunächst enthusiastisch. Die Antibaby-Pille war das erste Verhütungsmittel, das einfach und sicher anzuwenden war, schreibt der Medizinhistoriker Robert Jütte in seiner Geschichte der Empfängnisverhütung “Lust ohne Last”. So ermöglichte sie erstmal, Sexualität und Fortpflanzung voneinander zu trennen. Doch inzwischen wird immer deutlicher, dass die sexuelle Lust der Frauen unter der Pille gedämpft wird, weshalb Yael Adler, Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, sie in ihrem Buch “Darüber spricht man nicht” auch als “hormonellen Keuschheitsgürtel” bezeichnet:

Das Gefühl, spontan Lust, Gier und sexuellen Trieb zu empfinden (…), empfinden viele Frauen unter Einfluss der Pille nicht. Sie haben zwar Sex, doch müssen sie sich mehr dazu motivieren, es ist weniger der körperliche Trieb als eine Kopfentscheidung, für die sie bewusste Impulse benötigen oder deutliche äußere Stimuli. Erst nach dem Absetzen der Pille spüren sie sexuelles Begehren, das als Bauchgefühl ganz ohne Trigger entsteht. (…) Viele Frauen erleben sogar komplette Lustlosigkeit, den Verlust ihrer Libido, Depressionen, Ängste, Antriebslosigkeit. (Adler: Darüber spricht man nicht, S. 124f.)

Was ich in Bezug auf Kinderwunsch besonders bedauerlich finde, ist, dass die Pille den Körpergeruch der Frau verändert und auch, wie sie den Duft ihres Partners wahrnimmt. Dass man sich “gut riechen” kann, hat die Natur so eingerichtet, damit wir gesunde Kinder bekommen, denn über den Geruchssinn finden Paare zusammen, die genetisch gut zusammen passen. Setzt nun eine Frau die Pille ab, weil sie mit ihrem Partner Kinder bekommen will, kann es durchaus sein, dass das Paar sich nicht mehr riechen kann. Deshalb sollte eine Frau sich gut überlegen, ob sie mit der Pille verhüten möchte, wenn sie den Mann ihrer Träume und potentiellen Vater ihrer Kinder getroffen hat.

Risiken der Pille

Bereits 1970 bezeichnete Dr. Hugh J. Davis von der Johns-Hopkins-Universität bei einer Anhörung von Experten zur Pille im amerikanischen Senat (Nelson-Hearings) die verbreitete Verschreibung als “ein gigantische endokrinologisches Experiment an Millionen gesunder Frauen”. Die Risiken der hormonellen Verhütung sind inzwischen bekannt: erhöhter Blutdruck, Arteriosklerose, Schlaganfall, erhöhtes Risiko für Thrombose und Lungenembolie, erhöhte Leberwerte, ein etwas erhöhtes Risiko für einige Autoimmunerkrankungen und Brustkrebs.

Durch niedrigere Dosierung und Mehrphasenpräparate sind die Risiken gegenüber der ersten Pille heute etwas geringer – wobei Raucherinnern weiterhin zur Risikogruppe gehören. Dennoch gibt es medizinische Gründe für die Einnahme der Pille. Dazu gehört in erster Linie Endometriose, ebenso starke Menstruationsbeschwerden bei jungen Mädchen, wobei ich persönlich bei Menstruationsbeschwerden zunächst empfehlen würde, über drei Monate einen Versuch mit Akupunktur und chinesischer Arzneimitteltherapie zu machen. Wenn sich die Schmerzen dadurch nicht auf ein erträgliches Maß reduzieren lassen, kann man immer noch zur Pille greifen. Denn zu den bekannten Risiken kommen noch weniger bekannte Nebenwirkungen der Pille hinzu: Scheidentrockenheit, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Pilz- und Blaseninfektionen, braune Flecken im Gesicht und Schmierblutungen.

In der Praxis stelle ich auch nach jahrelangem Gebrauch der Pille Anzeichen von Blutmangel und Blutstase fest: Müdigkeit trotz ausreichendem Schlaf, brüchige Nägel, stumpfe Haare oder Haarausfall, Schwindel bei schnellem Aufstehen. Die Blutung ist nach Absetzen der Pille nicht regelmäßig und auch wieder schmerzhaft. Das Blut enthält Klumpen oder Schleimhautfetzen.

Verhüten ohne Hormone

Aus der Sicht der chinesischen Medizin ist eine Verhütung ohne Hormone für den weiblichen Körper die gesündeste Option. Deshalb hat es mich gefreut, dass offenbar auch Vertreter der westlichen Medizin wie Yael Adler sich dafür ausprechen. Unter den Möglichkeiten, die sie in ihrem Buch erwähnt, fand ich – neben Kondomen und der Kupferspirale – das Kupferkettchen oder den Kupfer-Perlenball eine gute Empfehlung für junge Frauen und Frauen, die noch keine Kinder geboren haben. Das Kupferkettchen besteht aus winzigen Kupferzylindern, die auf einen Nylonfaden aufgezogen sind. Dieser wird am Dach der Gebärmutter befestigt (für diesen Eingriff sollte man einen erfahrenen Arzt aufsuchen, um das Risiko einer Verletzung der Gebärmutter so gering wie möglich zu halten). Den verhütenden Effekt führt man darauf zurück, dass der eingeführte Fremdkörper die Abwehrreaktion der Gebärmutterschleimhaut erhöht, so dass sich befruchtete Eizellen nicht einnisten können.

Welche Verhütungsmethode am besten ist, sollte die Frau mit ihrem Frauenarzt oder ihrer Frauenärztin besprechen. Lebt sie in einer Beziehung, sollte sie auch den Partner in das Abwägen von Lust und Last einbeziehen.