Besser schlafen mit Klostermedizin

Rückseite

Schlafstörungen sind ein ideales Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Klostermedizin. Die Lebensweise der Mönche ist mustergültige Schlafhygiene.

Es ist ein sonniger Tag in der Abtei Münsterschwarzach. Durch die hellen Vorhänge dringt gedämpftes Licht in den Seminarraum und draußen im Teich quakt lautstark und beharrlich ein Frosch. Alle Viertelstunde tönt die Glocke von der Abteikirche, regelmäßig ruft sie zum Stundengebet. Das Leben geht einen ruhigen und geregelten Gang. Kein Stress und kein Lärm. Das sind die besten Voraussetzungen für einen guten Schlaf.

Doch auch unsere Vorfahren schliefen zuweilen schlecht. Mehr als der heutige Leistungsdruck raubten ihnen Bedrohungen durch Kriege, Hunger oder Seuchen den Schlaf. Bereits um 1820 schrieb der Wundarzt Ortolf von Baierland in einem der ersten Arzneibücher in deutscher Sprache über „unrechtes Wachen“. Er warnte vor dessen lebensgefährlichen Folgen –  zu Recht, wie unser Dozent, der Medizinhistoriker Prof. Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg erklärt. Es wundert also nicht, dass die Klostermedizin sich mit Kräutern auskannte, die den Schlaf fördern und die Psyche beruhigen.

Dass Schlafstörungen gesundheitsschädigend sind, bestätigt auch die moderne Forschung. Unser Körper braucht den Schlaf zur Regeneration: Zellen wachsen und werden erneuert, das Immunsystem ist aktiv und wir verarbeiten, was wir am Tag erlebt haben. Schlechter Schlaf wird für 60 Prozent der Herzinfarkte verantwortlich gemacht. Chronische Schlafstörungen sind oft die Vorstufe der Depression.

Paradoxerweise fördern Schlafmittel wie Benzodiazepine und andere betäubende Wirkstoffe sogar Schlafstörungen, wenn sie länger als vier Wochen eingenommen werden. Alternativen werden dringend gebraucht. Die Forschergruppe Klostermedizin arbeitet inzwischen mit Ärzten von der Charité in Berlin zusammen, um das tradierte Wissen der Klostermedizin zur Behandlung von Schlafstörungen nutzbar zu machen. „Schlafstörungen sind ein ideales Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Klostermedizin“, so die Erfahrung von Prof. Johannes Mayer.

Guter Schlaf – schlechter Schlaf

Einen guten und gesunden Schlaf erkennt man daran, dass man morgens ausgeruht und fit aufwacht. Das ist nach durchschnittlich 7 Stunden Schlaf der Fall, wobei manche Menschen auch mit fünf Stunden auskommen. Weniger sollte es aber auf Dauer nicht sein. Besonders für Schulkinder und ältere Menschen ist es gut, einen Mittagsschlaf zu machen. Das fördert die Merkfähigkeit und kommt dem häufigeren Ruhebedürfnis älterer Menschen entgegen. Eine behandlungsbedürftige Schlafstörung liegt vor, wenn schlechter Schlaf und eingeschränkte Leistungsfähigkeit über mehr als einen Monat bestehen.

Schlafhygiene

Klostermedizin und moderne Schlafforschung sind sich einig, dass eine feste Struktur des Tages, so wie sie beispielsweise im Kloster herrscht, den Schlaf fördert. Die „innere Uhr“, die unseren Schaf- und Wachrhythmus steuert, braucht feste Zeiten. Das merken wir nicht nur beim Jet lag, sondern auch schon, wenn wir montags wieder früher aufstehen müssen oder bei der Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit.

Regeln für einen guten Schlaf:

  • feste Schlafenszeiten
  • feste Essenszeiten
  • die letzte Mahlzeit möglichst 4 Stunden (mindestens 2 Stunden) vor dem Schlafengehen, leichte Mahlzeiten bevorzugen (wenig Rohkost, Vollkorn, Fleisch und Zucker)
  • keinen Alkohol vor dem Schlafengehen (er fördert zwar das Einschlafen, stört aber das Durchschlafen)
  • durch eine ruhige Tätigkeit (Spaziergang, warmes Bad mit ätherischem Lavendelöl oder Entspannungsübungen) auf das Einschlafen vorbereiten
  • vor dem Schlafengehen nicht mehr auf Bildschirme schauen, weil das Licht dem UV-Licht ähnelt und wach macht
  • ruhiger, gut gelüfteter und kühler Schlafraum, evtl. abgedunkelt

Über Kräuter, die den Schlaf fördern und die Psyche beruhigen, schreibe ich beim nächsten Mal.