Akupunktur bei Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind in Deutschland der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Zu mehr als 70 Prozent treten sie im Bereich der Lendenwirbelsäule (Hohlkreuz) auf. Mit Akupunktur lassen sich die Schmerzen lindern.

Rückenschmerzen sind oft verursacht durch

  • Fehlhaltungen (sitzende Tätigkeit),
  • Überlastung (schwere Arbeit, ungewohnte Tätigkeit)
  • Verletzungen (Muskelzerrungen nachdem man sich „verhoben“ hat)
  • Wirbelblockaden („verrenkt“)
  • Bandscheibenvorfälle
  • „Verschleiß“ der Knochen und deren Folgen (Osteoporose, Spinalkanalstenose).

Zusätzlich drücken Rückenschmerzen oft auch eine psychische Belastung aus. Mit Akupunktur kann man die Schmerzen lindern und die Heilung unterstützen. Das hat eine von den Krankenkassen finanzierte Studie, die deutsche GERAC-Studie, 2007 gezeigt.

Akute Rückenschmerzen

Der medizinische Fachausdruck für akute Rückenschmerzen ist „Lumbalgie“ oder „Ischialgie“. Bei einer Lumbalgie, auch Hexenschuss genannt, liegt meist eine Muskelzerrung oder Wirbelblockade zugrunde. Bei der Ischialgie ist zusätzlich der Ischiasnerv eingeklemmt, gereizt oder entzündet. Das führt zu starken Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, die an der betroffenen Seite ins Bein ausstrahlen. Sie können bis zur Außenseite des Fußes spürbar sein und sich beim Niesen oder Husten verstärken. Häufigste Ursache für die Ischialgie sind Bandscheibenvorfälle oder Verletzungen. Aber auch gegen Ende der Schwangerschaft kann die Gebärmutter auf den Ischiasnerv drücken.

Chronische Rückenschmerzen

Chronische Rückenschmerzen entstehen in der Regel durch Überlastung und Bewegungsarmut. Der Schmerz nimmt im Laufe der Zeit allmählich zu oder er ist wiederkehrend. Er kann z.B. im Winterhalbjahr verstärkt auftreten oder in Phasen von Erschöpfung. Auch rheumatoide Arthritis tritt schubweise auf. Mehr dazu im Beitrag: „Was tun bei Rheuma?

Emotionen und Nieren-Energie

In der chinesischen Medizin sind Schmerzen im unteren Rücken dem Funktionskreis der Niere zugeordnet. Anders als die Niere als Organ der westlichen Medizin speichert die Niere der TCM den „Energie-Vorrat“, den Menschen bei ihrer Geburt mitbringen. Dieser nimmt im Laufe des Lebens ab, was sich unter anderem darin äußert, dass die Knochen altern. Neben dem natürlichen Alterungsprozess können auch andere Faktoren die Nieren-Energie schwächen:

  • ein exzessiver Lebensstil (Sex, drugs & Co),
  • harte körperliche Arbeit
  • Schichtdienst
  • starke, dauerhafte Ängste.

Weitere Faktoren bei Rückenschmerzen sind Stress und Frustration am Arbeitsplatz oder in Beziehungen. Sie führen zu Verkrampfungen der Muskulatur. Auch unerfüllte Sexualität kann eine Ursache für Rückenschmerzen sein.

Kälte und Wind

Häufig stellt sich in der Befragung heraus, dass die Rückenschmerzen durch Kälte ausgelöst oder verstärkt werden. Patienten mit chronischen oder wiederkehrenden Rückenschmerzen berichten oft, dass diese im Winter stärker sind. Wind kann auch ein auslösender Faktor sein; etwa, wenn man vom Sport verschwitzt ist und dann Zugluft abbekommt (oder friert). Hier ist ein Nierenwärmer für den Winter sehr zu empfehlen. Außerdem sollte man die Füße immer warm halten.

Akupunktur für den Rücken

Vor jeder Akupunktur stellt die Befragung, in der die TCM-Therapeutin oder -Therapeut folgendes fragt:

  • Wie lange bestehen die Schmerzen?
  • Was hat sie ausgelöst?
  • Wodurch werden sie besser oder schlechter?
  • Wie ist der Schmerzcharakter?

Außerdem sieht die Akupunkteurin sich die Zunge an und fühlt den Puls. Dadurch kann sie feststellen, auf welcher Ebene das Problem besteht und wodurch es ausgelöst wurde.

Aus Sicht der Chinesischen Medizin ist Schmerz eine Stagnation von Qi oder Blut. Diese gilt es durch Akupunktur aufzulösen. Ist Kälte im Spiel, wird zum Wärmen zusätzlich Moxibustion eingesetzt oder eine Wärmelampe verwendet. Verspannte Muskulatur wird durch Gua Sha, Schropfkopfmassage oder Tuina (chinesische Massagetechnik) aufgelockert. Bei Fehlstellungen der Wirbelkörper oder des Beckens setze ich in meiner Praxis zusätzlich die Dorn-Methode ein.

Bei akuten Zuständen empfehle ich eine tägliche Behandlung bis eine deutliche Besserung eintritt. Dann kann man die Abstände vergrößern, um die Heilung zu unterstützen und den Zustand zu stabilisieren. Bei chronischen Schmerzen wird im wöchentlichen Rhythmus akupunktiert. In der Regel rechnet man als Dauer für Behandlung so viele Monate wie die Schmerzen zuvor in Jahren bestanden haben. Bei Schmerzen durch „Verschleiß-Erscheinungen“ ist das Ziel der Akupunktur, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit des Gelenks zu erhalten.

Bei starken Schmerzen oder Schmerzen, die durch Erschöpfung (Leere) verursacht sind, ist der Einsatz von chinesischer Arzneimitteltherapie sinnvoll.

Qi Gong und Feldenkrais-Übungen

Bewegung ist die beste Medizin, um Rückenschmerzen vorzubeugen bzw. sie zu lindern. Das gilt insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen. Im akuten Zustand sollte man bei Übungen nicht über die Schmerzgrenze gehen. Bei Muskelzerrungen habe ich gute Erfahrungen mit Feldenkrais-Übungen gemacht, weil man dabei Muskeln, Sehnen und Gelenke sanft und achtsam bewegt. Qi Gong Übungen eignen gut zur Prävention und bei leichten Schmerzen und Verspannungen, v.a., wenn man unter Bewegungsarmut leidet.