Abschied nehmen im Herbst

Wenn im Herbst die Zugvögel fliegen, wissen wir: es wird bald kalt, nass und dunkel. Der Abschied vom Sommer macht manch einen traurig, aber der Herbst - auch der Herbst des Lebens - birgt Chancen.

Rückseite

Gesund leben heisst in der Chinesichen Medizin, sich an die Verhältnisse der Jahreszeiten und die Möglichkeiten der eigenen Lebensphase anzupassen. Der Herbst ist eine Zeit des Abschied nehmens; eines Übergangs, der stürmisch sein kann, aber auch viele Chancen birgt.

Von der Hitze und Helligkeit des Sommers geht es jetzt zu kühleren Temperaturen und längeren Nächten. In der Natur kommt noch vieles zur Reife. Äpfel, Zwetschgen, Weintraugen, Nüsse – die Wochenmärkte spiegeln diese Fülle und Farbenpracht. Nach Erntedank zieht sich die Energie der Pflanzen dann allmählich zurück in die Wurzeln. Blätter färben sich und werden von den Herbststürmen weggeweht. Zugvögel fliegen gen Süden, und manch einer schaut ihnen traurig nach.

Abschied nehmen ist ein Thema des Herbstes. Abschied von der Fülle des Sommers, von luftiger Kleidung, Sonne auf der Haut, Baden im See, an lauen Sommerabenden mit Freunden draußen sitzen. Im Herbst des Lebens ist es der Abschied von den Kindern, wenn sie aus dem Haus gehen (empty nest syndrome) und auch von den eigenen Eltern. Nicht umsonst ist in der Lehre der fünf Wandlungsphasen dem Herbst die Trauer zugeordnet. Abschied tut weh.

Die Heckenschere oder das verborgene Gold

Die Herbstphase des Lebens bietet aber auch eine Chance zur Neuorientierung. Nach der Familienphase ist wieder mehr Zeit für eigene Bedürfnisse. Jetzt ist die Zeit, Wünsche zu realisieren, die vielleicht schon lange geschlummert haben. Dafür muss man das Leben oft erst entrümpeln und genau hinschauen, welche Aktivitäten und Bekanntschaften einem wirklich wichtig sind. Zum Herbst gehört die Wandlungsphase Metall. Es ist das Metall der Gartenschere, die im Herbst Bäume und Hecken zurückschneidet, aber auch das tief in der Erde vergrabene Gold, das gehoben werden will.

Um innere Schätze zu finden, braucht es die Einkehr nach innen. Die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln – ganz nach dem Vorbild der Pflanzen im Herbst. Das bedeutet, Zeiten der Ruhe einzuplanen und vielleicht eine Entspannungstechnik zu lernen. Oder kreativ zu sein, ein vernachlässigtes Hobby wieder aufzunehmen: von Handarbeit bis Heimwerken, von Kunst bis zu kreativem Scheiben; vielleicht auch mal wieder einen Brief schreiben an die Menschen, die mir wichtig sind oder für mich selbst Gedanken in einem Tagebuch notieren. Musik hören oder selbst musizieren. Der Herbst ist eine Einladung, mehr bei sich zu bleiben und sich nicht gleich abzulenken, wenn Trauer oder Einsamkeit aufkommen.

Sinnlichkeit im Herbst

Den Körper und die Sinnlichkeit, die im Sommer so präsent sind, sollten auch im Herbst nicht zu kurz kommen. Ich denke an herbstliche Vergnügen wie Spaziergänge durch einen bunten Laubwald oder Weinberge und anschließendes Aufwärmen bei Tee oder Kaffee mit Zwetschgen- oder Apfelkuchen. Ein warmes, entspannendes Bad mit ätherischen Ölen oder eine Massage (im Winterhalbjahr gibt es auch vermehrt Massagekurse für Paare – eine gute Investition in das Liebesleben). Und früher schlafen gehen. Das empfiehlt auch schon der Klassiker des Gelben Kaisers.

Dort heißt es weiter: “Seele und Geist sollten zusammengehalten werden, um die Energie des Herbstes zu beruhigen. Diejenigen, die den Gesetzen des Herbstes nicht Rechnung tragen, werden mit einer Beeinträchtigung der Lungen bestraft. Ihnen wird der Winter Magenverstimmungen und Durchfall bringen, und so wird es ihnen an Speicherenergie für den Winter mangeln.” Das beobachte ich jetzt schon in der Praxis. Falls es Dich auch erwischt hat: Hier einige Tipps bei Erkältung und Magen-Darm-Grippe sowie zur Stärkung des Immunsystems.

Ich wünsche einen gesunden und ertragreichen Übergang in die dunkle Jahreszeit!