Abnehmen mit chinesischer Medizin

Rückseite

Vor einiger Zeit wünschte sich eine ältere Dame von mir Ohrakupunktur gegen ihre „Esssucht“. So einfach ist es leider nicht. Übergewicht ist nur das Symptom eines tiefer liegenden Ungleichgewichts.

Tatsächlich gibt es einen Punkt am Ohr, der den Appetit reguliert. Man kann ihn für ein paar Tage mit einer winzigen Dauernadel stimulieren, aber das ist nur eine begleitende Maßnahme zu einer umfassenderen Therapie. Sind die Organe wieder im Gleichgewicht und der Körper gesund, reguliert sich das Gewicht meist von selbst. Viel wichtiger ist, dass Du Dich gesund und wohl fühlst.

Mit diesem Ziel vor Augen fällt es vielen leichter, die Ernährung umzustellen. Denn nach einer anfänglichen Phase der Gewöhnung fühlen sie sich mit einer typgerechten Ernährung gesünder und vitaler. Typgerecht bedeutet, dass die Ernährung sich nach der TCM-Diagnose richtet. Das bedeutet meistens, dass Du auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtest und andere in Deinen Speiseplan aufnimmst.

Hier ein paar allgemeine Regeln, die unabhängig von der TCM-Diagnose gelten. Der Frühling und die Fastenzeit sind ein guter Zeitpunkt, sie auszuprobieren. Du musst nicht Hungern, aber ein wenig Disziplin und Willensstärke ist schon notwendig:

  1. Maß halten. Also weder Fasten noch Völlen, aber auch keine einseitigen Diäten.
  2. Regelmäßig essen. Jeden Tag 3 Mahlzeiten, immer zur gleichen Zeit. Unser Verdauungssystem liebt Regelmäßigkeit und funktioniert unter diesen Bedingungen am besten. Und wir haben über den Tag genug Energie.
  3. Zwischen den Mahlzeiten nichts essen, damit die Nahrung vollständig verdaut werden kann. Ebenso zwischen 19 Uhr und 7 Uhr nichts essen. Anders gesagt: 12 Stunden ist essen erlaubt, 12 Stunden wird gefastet.
  4. In Ruhe und genussvoll essen (Fernsehen aus, Handy, Zeitung oder Buch zur Seite legen), beim Essen über angenehme Dinge sprechen oder schweigend genießen. Bei Geschäftsessen vereinbare zuvor mit Deinen Gesprächspartnern, dass über das Geschäftliche erst beim Kaffee gesprochen wird. In Frankreich ist das gute Sitte.
  5. Saisonale und regionale Zutaten und Gerichte bevorzugen. Fastfood, Fertiggerichte und Tiefkühlkost vom Speiseplan streichen.

Wenn wir Kalorien zählen, denken wir oft viel mehr an das Essen als sonst. Die obigen Regeln laden auch dazu ein, an das Essen zu denken, aber nicht als etwas Verbotenes, sondern etwas besonders Gutes. Wir verwenden nur gute Zutaten und genießen das Essen mehr als sonst. Wenn dagegen nebenbei oder am Computer essen, hilft das zwar gegen einen knurrenden Magen, aber oft versuchen wir dann, den entgangenen Genuss später durch noch mehr Essen nachzuholen.

Natürlich gibt es auch noch verschiedene andere Gründe zu essen: Langeweile, Frust, Übersprungshandlung (ich brauche eine Inspiration, also mache ich mechanisch die Kühlschranktür auf). Diese Gewohnheiten zu ändern, braucht Entschlusskraft. Das ist eine Fähigkeit, die in der TCM dem Funktionskreis der Leber und Gallenblase zugeordnet ist. Im Frühling können wir die Energie dieser Funktionskreise besonders gut nutzen (übrigens auch, indem wir und draußen im Grünen bewegen…). Sind sie dennoch schwach, können Akupunktur und Kräutertherapie helfen, sie zu stärken.

Nutze die Kraft des Frühlings zum Aufbruch in ein gesundes und vitales Leben. Und lass Dich von kleinen Rückschlägen nicht entmutigen. Statt auf die Waage zu steigen, mache lieber jeden Abend ein Häkchen an die Regeln, die Du an diesem Tag befolgt hast. Dann können sie Dir schon bald zur Gewohnheit werden.

P.S. Einen Tag in der Woche darf man alle Regeln brechen. Studien haben gezeigt, dass Menschen beim Abnehmen motivierter sind, wenn sie einen Tag in der Woche nicht so streng zu sich sind. Weil sie dann meist auf längere Sicht ihr Verhalten ändern, hat das letztlich auf das Gewicht einen anhaltenden positiven Effekt.