Abnehmen mit chinesischer Medizin

Vor einiger Zeit wünschte sich eine ältere Dame von mir Ohrakupunktur gegen ihre „Esssucht“. So einfach ist Abnehmen mit chinesischer Medizin leider nicht. Übergewicht ist nur das Symptom eines tiefer liegenden Ungleichgewichts.

Tatsächlich gibt es einen Punkt am Ohr, der den Appetit reguliert. Man kann ihn für ein paar Tage mit einer winzigen Dauernadel stimulieren. Aber das ist nur eine begleitende Maßnahme zu einer umfassenderen Therapie. Abnehmen mit chinesischer Medizin bedeutet vor allen die Verdauungsorgane zu stärken. Das sind Magen und Bauchspeicheldrüse. Sie gehören zum Funktionskreis der Erde und haben die wichtige Aufgabe, alle anderen Organe mit Nährstoffen zu versorgen. Der Wiener Arzt Georg Weidinger vergleicht sie mit einer Mutter, die viele Kinder zu ernähren hat. Ist sie durch falsche Ernährung geschwächt, hat sie keine Kraft zu kochen, aufzuräumen oder den Müll rauszutragen. Darunter leiden schließlich alle anderen Organe. Der Körper ist insgesamt geschwächt.

Abnehmen mit chinesischer Medizin zielt deshalb nicht primär darauf, wenig zu essen, sondern den Funktionskreis der Erde (Magen/Bauchspeicheldrüse) zu stärken. Das geschieht durch eine typgerechte Ernährung, die sich nach der individuellen TCM-Diagnose richtet. Dazu kommt die allgemein gültige Empfehlung, auf Zucker, Milchprodukte und Rohkost zu verzichten. Und dafür mehr gekochte Speisen (insbesondere warmes Frühstück) in den Speiseplan aufzunehmen.

Regeln für das Abnehmen mit TCM

Die folgenden Regeln zum gesunden Essen gelten unabhängig von der TCM-Diagnose:

  1. Maß halten. Also weder Fasten noch Völlen, aber auch keine einseitigen Diäten.
  2. Regelmäßig essen. Jeden Tag 3 Mahlzeiten, immer zur gleichen Zeit. Unser Verdauungssystem liebt Regelmäßigkeit. Unter diesen Bedingungen funktionniert es am besten.
  3. Die wichtigste Mahlzeit ist das Frühstück. Es gibt dem Körper Energie für einen guten Start in den Tag. Die TCM empfiehlt ein warmes Frühstück (z.B. Getreidebrei oder Suppe mit Nudeln und Gemüse).
  4. Zwischen den Mahlzeiten nichts essen, damit die Nahrung vollständig verdaut werden kann. Ebenso zwischen 19 Uhr und 7 Uhr nichts essen. Das heißt: 12 Stunden ist essen erlaubt, 12 Stunden wird gefastet.
  5. In Ruhe und genussvoll essen. Das heißt: Fernsehen aus, Handy, Zeitung oder Buch zur Seite legen. Beim Essen über angenehme Dinge sprechen oder schweigend genießen. Das Essen ist eine wunderbare Gelegenheit, sich mit der Erde und ihren Gaben verbunden zu fühlen und dankbar zu sein. Bei Geschäftsessen vereinbare zuvor mit Deinen Gesprächspartnern, über das Geschäftliche erst beim Kaffee zu sprechen. In Frankreich ist das gute Sitte.
  6. Saisonale und regionale Zutaten und Gerichte bevorzugen. Fastfood, Fertiggerichte und Tiefkühlkost vom Speiseplan streichen.

Ziel: Gesundheit und Vitalität

Wenn wir Kalorien zählen, denken wir oft viel mehr an das Essen als sonst. Das Abnehmen mit Chinesischer Medizin lädt stattdessen dazu ein, Nahrungsmittel so zu wählen, dass wir uns gesünder und vitaler fühlen. Wir verwenden nur gute Zutaten und genießen das Essen mehr als sonst. Das ist viel wichtiger, als ängstlich auf die Anzeige der Waage zu blicken.

Natürlich gibt es auch noch verschiedene andere Gründe zu essen: Langeweile, Frust, Trost, Belohnung oder als Übersprungshandlung. Etwa: ich brauche eine Inspiration, also mache ich mechanisch die Kühlschranktür auf. Diese Gewohnheiten zu ändern, braucht Entschlusskraft. Das ist eine Fähigkeit, die in der TCM dem Funktionskreis der Leber und Gallenblase zugeordnet ist. Im Frühling können wir die Energie dieser Funktionskreise besonders gut nutzen, um etwas zu ändern.

In meiner Praxis empfehle ich bei Übergewicht, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Verdauungsstörungen zunächst eine individuelle Ernährungsberatung. Diese Beratung macht meine Kollegin Dr. phil. Karin Sitte. Wenn die Patienten zusätzlich erschöpft sind, Schmerzen haben oder die Symptome bei Stress schlimmer werden, ergänze ich die Therapie durch Akupunktur und Kräuterrezepturen.

Gewohnheiten ändern

Gewohnheiten zu ändern ist einfacher, wenn Du genau weißt, warum Du sie ändern möchtest. Überlegungen wie: Ich sollte eigentlich keine Süßigkeiten essen, weil das ungesund ist, sind wenig hilfreich. Weil sie nur vom Verstand ausgehen und nicht mit einem positiven Gefühl besetzt sind. Wenn Du Dir dagegen lebhaft vorstellst, was Du tun könntest, wenn Du mehr Energie hättest, bist Du viel motivierter. Und mit den ersten Erfolgen verstärkt sich die Motivation. Manchmal gibt es auch unerwartete Nebeneffekte. So berichtete eine meiner Patientinnen, dass sie nach der Umstellung ihrer Ernährung viel seltener Kopfschmerzen hatte.

Fange mit kleinen Schritten an. Setze zuerst die Regeln um, die Dir am leichtesten erscheinen. Lass Dich von Rückschlägen nicht entmutigen. Statt auf die Waage zu steigen, mache jeden Abend ein Häkchen an die Regeln, die Du an diesem Tag befolgt hast.

Übrigens: Einen Tag in der Woche darf man alle Regeln brechen. Studien haben gezeigt, dass Menschen beim Abnehmen motivierter sind, wenn sie einen Tag in der Woche nicht so streng zu sich sind. Weil sie dann meist auf längere Sicht ihr Verhalten ändern. So hat man größere Chancen, as Gewicht dauerhaft zu stablisieren.

Literaturhinweis:

Georg Weidinger: Die Heilung der Mitte. Die Kraft der traditionellen chinesischen Medizin. ISBN-13: 9783850688642

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